Vorwort:
In der Arbeit „Karfreitag“ habe ich den Begriff Dauer verwendet.
Mit diesem Aufsatz möchte ich den Begriff Dauer präzisieren.
Über den Zeitbegriff habe ich in Wikipedia nachgelesen (Wikipedia https//de.wikipedia.org>wiki>Zeit)
Die Zeit ist eine physikalische Größe. Im SI-Einheitensystem ist die Zeit eine von mehreren Basisgrößen.
Die Wahrnehmung der Zeitdauer hängt davon ab, was in der Zeit passiert. Ein ereignisreicher Zeitraum erscheint kurz, „vergeht wie im Flug“. Hingegen dauern ereignisarme Zeiträume manchmal quälend lange. Von dieser Beobachtung leiten sich auch die Begriffe Kurzweil und Langeweile ab.
Paradoxerweise empfindet man im Rückblick die Zeiten gerade umgekehrt: In ereignisreichen Zeiten hat man viele Informationen eingespeichert, sodass dieser Zeitraum lange erscheint. Umgekehrt erscheinen ereignisarme Zeiten im Rückblick kurz, da kaum Informationen in ihr gespeichert sind.
Wann hat die Zeitmessung begonnen und damit der Zeitbegriff?
Geht es nach Archäologen und Forschern beginnt unsere Geschichte der Zeitmessung ca. 1400 v. Chr. in Ägypten.
Die Einteilung des Tages in zwölf Teile kommt vermutlich von einer Version der Sonnenuhr der alten Ägypter. Da die Zeiteinteilung lange mit Hilfe des Sonnenlichts geschah, konnte die Nacht nicht so einfach aufgeteilt werden. Später entdeckten ägyptische Astronomen 36 Sterne, die den Himmel in gleiche Teile aufteilten. Die Nacht konnte mit 18 dieser Sterne aufgeteilt werden. Jeweils drei Sterne wurden für die Morgen- und Abenddämmerung verwendet, die Zeit der totalen Finsternis wurde von den übrigen zwölf Sternen festgelegt. Zwischen 1550 und 1070 v. Chr. wurde dieses System vereinfacht, indem 24 Sterne genutzt wurden, wobei zwölf für die Nacht waren.
Später hat Hipparchos zwischen 147 v. Chr. und 127 v. Chr. vorgeschlagen, den Tag in 24 gleich lange Stunden zu unterteilen. Eine solche Einteilung wurde jedoch erst im 14. Jahrhundert mit dem Aufkommen mechanischer Uhren üblich.
Die Babylonier machten astronomische Berechnungen im 60er-System, auch sexagesimales Rechensystem genannt. Diese hat Hipparchos später übernommen. Eratosthenes hat das 60er-System genutzt, um einen Kreis in 60 Teile zu teilen. Damit hat er ein frühes System für Breitengrade aufgebaut. Dieses System hat Hipparchos verbessert. Claudius Ptolemäus hat die 360 Grad in seinem Werk Almagest in zwei Stufen in jeweils wieder 60 Einheiten unterteilt. Die erste Einheit nannte er partes minutae primae – die Minuten – die zweite partes minutae secundae – unsere Sekunden.
Der Zeitbegriff beschäftigt die Philosophie seit langem. Der Ausspruch von Augustinus im elften Kapitel seiner Bekenntnisse, dass er wohl weiß, was Zeit ist, aber es nicht sagen kann, ist bekannt und wird oft zitiert. Das Dilemma der Philosophie ist hierbei, dass Zeit nur einen Augenblick besteht und weder vorher noch nachher existent ist. Aristoteles bis zu Husserl haben sich mit diesem Problem beschäftigt. Um Zeit wahrzunehmen, bedarf es des Gedächtnisses. Safranski hat sich in dem Buch „Zeit, was wir mit ihr machen und sie mit uns macht“ über die Auswirkungen der Zeit auf unser Leben beschäftigt.
Laut Einstein ist „Zeit“ das, was man auf einer (idealen) Uhr ablesen kann. Die „Zeit-Dauer“ ist das, was zwischen zwei auf der Uhr abgelesenen Zeitwerten liegt. (Google Zeit und Dauer https//dequora.com)
Seit Einstein verwenden wir den Begriff der „Raum-Zeit“. Auch dabei wird nicht wesentlich zwischen Zeit und Dauer unterschieden.
Das philosophische Dilemma beim Zeitbegriff liegt möglicherweise in der unscharfen Unterscheidung der Begriffe Dauer und Zeit.
Meiner Meinung nach sollte Folgendes bei den Begriffen Zeit und Dauer unterschieden werden:
Zeit ist ein physikalischer Begriff
- Sie wird gemessen und nach der Anzahl ihrer stets gleichbleibenden Maßeinheit wahrgenommen und beurteilt.
- Mit dem Maß der Zeiteinheit wird zum Beispiel die Geschwindigkeit gemessen und beurteilt.
- Die Zeit wird mit dem Verstand wahrgenommen.
- Es ist mittlerweile versucht worden, die Zeitmessung weltweit synchron zu regeln. Das ist zwar näherungsweise möglich, exakt hingegen wegen der Geschwindigkeit des Lichtes unmöglich.
Dauer wird definiert als Zeitabschnitt,
- der zwischen zwei Zeitpunkten liegt.
- Die Dauer eines Ereignisses ist ein Zeitabschnitt vom Beginn bis zum Ende dieses Ereignisses.
- Sie wird mit den Attributen „lang“ und „kurz“ beurteilt.
- Die Dauer nehmen wir mit dem Gefühl wahr.
- Mit dem Gefühl der Dauer meinen wir, die Zeit wahrzunehmen.
- Wir nehmen nicht die Zeit wahr, sondern nur die Eigenschaft des Verstreichens derselben, also die Dauer.
Bemerkung:
Vergleich der Wahrnehmung der Zeit mit der des Lichtes:
Ähnlich wie mit der Wahrnehmung der Zeit durch ihre Dauer ist es auch mit der Wahrnehmung des Lichtes. Wir nehmen es nicht als Welle, sondern nur in seinen Eigenschaften als weiß und schwarz, hell und dunkel und als Farben wahr.
Goethe hat seine Farbenlehre aus der Anschauung des Lichts entwickelt.
„Wär nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken; läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft, wie könnt uns Göttliches entzücken?“
- Während der Dauer (eines Ereignisses) haben wir das Gefühl der Gegenwart.
- Nach dem Ende der Dauer haben wir weiter eine Erinnerung an die in ihr enthaltenen Ereignisse.
- Diese Erinnerung kann ein ganzes Leben hindurch bestehen.
- Auch, wenn die Erinnerung unserem Gedächtnis entschwunden ist, kann sie durch Assoziationen wieder geweckt werden.
- In solchem Fall werden vergangene Ereignisse wieder vergegenwärtigt
Beispielsweise wird ein Vortrag über den Inhalt eines vergangenen Ereignisses als „Präsentation“ bezeichnet. - Erst, wenn Ereignisse unserem Gedächtnis unwiederbringlich entschwunden sind, gehören sie der Vergangenheit an. Die Vergangenheit wird durch Aufzeichnungen zur Geschichte.
Bemerkung:
Die Begriffe Dauer, Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft, Erinnerung und Gedächtnis stehen in engem Zusammenhang zueinander und ereignen sich oft simultan. Gedanken über diese Begriffe werden hier nicht näher ausgeführt, weil sie ins Uferlose führen könnten.
Gedanken über Ewigkeit
- Die Begriffe Zeit und Dauer fließen in die Gedanken über Ewigkeit ein.
- Ewigkeit jetzt schon zu denken, bedarf es Begriffe unseres Verstandes. Mit dem Gefühl können wir Ewigkeit nicht wahrnehmen.
- Von der Ewigkeit glauben wir verstandesmäßig, dass in ihr Zeit und Raum nicht mehr existieren und diese daher nicht messbar ist.
- Die Kirche spricht von der ewigen Ruhe, aber auch vom ewigen Leben.
- Leben bedeutet für unseren Verstand aber Bewegung und Änderung.
- Beides gedanklich zu vereinen geht zwar nicht ohne Zeit, sehr wohl aber mit dem Begriff der Dauer.
- Unser Leben in der Ewigkeit ist zwar zeitlos, aber in ihm erleben wir (vielleicht) in stets gegenwärtiger Dauer:
- den allmächtigen dreieinigen Gott in seiner Liebe und Güte,
- die Verbundenheit mit unseren Liebsten wie damals auf Erden,
- die Verbundenheit mit allen Menschen, denen das Böse (die Sünden) vergeben worden ist, und die nun so sind, wie sie von der Liebe Gottes gedacht worden sind,
- und all das in einem unvorstellbaren „Liebes-Kosmos“.
Schlussbemerkung:
Diese Spekulation über Ewigkeit ist zumindest ein sehr schöner Gedanke.
Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, den Begriff „Dauer“ in dem Sinn, wie er in der genannten Arbeit „Karfreitag“ verwendet worden ist, zu präzisieren.
Walter Kapral, 8. Mai 2024
