Was bedeutet Glaube und welche Stellung und welche Funktion hat er?
Viktor Frankl, der weltberühmte Arzt und Philosoph, hat als Sinnorgan (nicht Sinnesorgan) des Menschen das Gewissen bezeichnet. Damit meint er wohl ein Organ, das ihn bei dem Erkennen von Sinn unterstützt.
Ich möchte mir erlauben. einen ähnlichen weiteren Begriff in Analogie zu dem von Frankl einzuführen:
Die Orientierungsorgane
Der Mensch besitzt vier Organe, die ihm bei der Orientierung in der Welt helfen:
- Der Verstand
- Die Vernunft
- Das Gefühl
- Der Glaube
Ich meine, der Glaube, und besonders der christliche Glaube, ist nicht nur eine Meinung, die man sich bildet. Darüber weit hinaus ist er das Organ, das uns hilft, unser ganzes Leben, unser Verhalten, unser Hoffen und unseren Lebenssinn zu bestimmen. In letztem Sinn ist der Glaube auch ein Sinnorgan.
Als Glaubende verstehe ich alle, die die Ursache des Seins verehren und lieben, sei es Gott oder die Seins-Ursache einer anderen Religion. Sie versuchen das Gute zu tun und erfülle so den Willen Gottes.
Ich meine, auch der Unglauben ist nicht nur eine Meinung, sondern hilft bei unserer Orientierung im Sein ohne Gott.
Dazu möchte ich Folgendes sagen:
- Ich respektiere alle Menschen, die den Glauben an Gott ablehnen.
- Es gibt viele Gründe, den Glauben an einen Gott der Allmacht, der Güte, der Barmherzigkeit und der Liebe abzulehnen: Das Elend auf der Welt, das Leid besonders der Unschuldigen, Hunger, Not, Unterdrückung, ja die Träne eines einzigen Kindes.
- Das ist für viele Menschen, die nach dem Guten suchen und die all das Schreckliche und Böse, das auf der Welt geschieht, entsetzt wahrnehmen, ein Grund, nicht an Gott zu glauben.
- Trotzdem folgen sehr viele Menschen ihrem Gewissen und tun das Gute für ihre Mitmenschen in beispielhafter Nächstenliebe. Hier denke ich zum Beispiel an jene, die sich um ihre gebrechlichen Nachbarn kümmern, die anderen in ihrer Not helfen, die sich freiwillig wichtigen Vereinigungen und Organisationen im Inland und im fernsten Ausland zu Verfügung stellen. Sie geben damit ihrem Leben Sinn und Freude.
- Die Sinnhaftigkeit ihres Tuns ist nicht auf das Jetzt beschränkt, sondern wirkt zumindest so lange in die Zukunft der Menschheit, bis unser Sonnensystem als roter Riese vergeht.
Bemerkung:
Unter Sinnhaftigkeit kann man einerseits den eben genannten in eine Zukunft mit Ablaufdatum reichenden Sinn des Lebens und Tuns, andererseits den bleibenden Sinn ohne Ablaufdatum in der Ewigkeit Gottes verstehen.
- Andere, die ihrem beschränkten Dasein das Beste für sich selbst abgewinnen wollen und nur Lust anstreben ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen, gehen an echter Freude und Lebenssinn vorbei.
Die folgenden Gedanken betreffen den christlichen Glauben an einen persönlichen Schöpfer-Gott als den allmächtigen und liebenden Vater und seinen Sohn Jesus Christus, der uns durch seine Erlösungstat von dem absoluten Bösen, das die Welt ergriffen hat, befreit hat, sowie an den Geist Gottes als Person. (siehe auch W. Kapral, Gottheit und Menschheit Jesu Christi).
Ich gehe an diesen Versuch heran unter folgenden Voraussetzungen:
- Ich bin als Kind durch meine Eltern für den christlichen Glauben und für viel Liebe schon in meiner ersten Prägungsphase meines Lebens geprägt worden.
- Dadurch besteht bei mir eine Sensibilisierung für Glaube und Liebe.
- Ich glaube, dass ich mit genügend Verstand und Vernunft ausgestattet bin, um kritisch und fragend um den Glauben des Erwachsenen-Alters kämpfen zu können.
- Ich fühle mich als ein Mensch, der den Wert der Naturwissenschaften, insbesondere auch der Entwicklungslehre als Errungenschaft des menschlichen Geistes, sehr zu schätzen weiß.
- Ich bin mir aber auch der Irrtums-Anfälligkeit des Verstandes und damit auch der Wissenschaft, insbesondere der Gefahr der Selbstüberschätzung und Grenzüberschreitung der wissenschaftlichen Spezialgebiete und ihrer Neigung zu den Extremen der Simplifikation und der Generalisation (Frankl) bewusst.
- Ich weiß nicht, wie MAN zum Glauben gelangt, ich will nur versuchen darzulegen, wie ich mich dem Glauben genähert habe und warum ich glaube.
Zum christlich-katholischen Glaubens-Inhalt:
Der Glaubensinhalt ist in einem umfangreichen Katechismus festgehalten.
Überblickbarer sind das „große“ und das „kleine“ Glaubensbekenntnis.
Einteilung der Wichtigkeit der einzelnen Glaubensartikel in:
- Grundlegend
- Wichtig
- Minder wichtig
Diese Einteilung halte ich für wichtig, weil sie sehr wahrscheinlich die Diskussion über die Wiedervereinigung der Christenheit erleichtert und sogar einen Diskurs ermöglicht.
- Das große Glaubensbekenntnis der katholischen Kirche:
Grundlegend:
Ich glaube (Wir glauben) an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen
Wichtig:
durch den Heiligen Geist aus der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.
Grundlegend:
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Ich glaube (Wir glauben) an den Heiligen Geist,
Wichtig:
der Herr ist und lebendig macht,
Weniger wichtig:
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet
und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Grundlegend:
Wir bekennen die eine Taufe
zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt
Amen.
- Das kleine Glaubensbekenntnis der katholischen Kirche
Grundlegend:
Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
Wichtig:
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
Grundlegend:
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
Wichtig:
die heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Grundlegend:
an die Vergebung der Sünden,
die Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
Zum Glauben gelangen ist Aufgabe jedes Einzelnen in Freiheit des Willens und in Verantwortung.
Daher kann ich nur versuchen zu sagen, wie ich mich dem Glauben genähert und zu ihm gefunden habe(n könnte).
Ich versuche, die Fragen, die mich dabei bewegt haben, ohne Rangordnung aneinanderzureihen.
Die Kardinalfragen sind für mich:
- Woher komme ich
- Wer bin ich
- Wohin gehe ich
Dabei handelt es sich um die Fragen Kardinal Königs, die er immer wieder gestellt hat und die für ihn grundlegende Fragen waren.
- Brauche ich einen persönlichen Gott, an den ich mich im Gebet wenden kann, oder genügt mir ein energiereiches „Gottes-Teilchen“ als Grund für meine Existenz?
- Bin ich zufrieden mit der Seins-Erklärung durch Zufall und Evolution, mit der Zirkularität der Geschichte und des Weltgeschehens und damit mit meiner vorübergehenden Existenz oder wünsche ich, dass meine Existenz dauerhaft Sinn und Ziel hat? In diesem Fall ist der Geschichtsverlauf linear auf ein ewiges Ziel gerichtet und nicht zirkulär.
- Habe ich meine Existenz dem Zufall zu verdanken oder einer Absicht?
- Eine Absicht kann nur von einem Seienden ausgehen, das die Kraft hat, mich in mein Sein zu rufen. (Gott)
- Mein Sein bedarf unzähliger Bedingungen, die vorher geschaffen wurden, oder können diese durch Zufall entstanden sein?
Bemerkung:
Den Zufall verstehe ich nicht im Sinne Jacques Monods, wie er ihn in seinem Hauptwerk „Zufall oder Notwendigkeit“ 1970 dargelegt hat, sondern den „gerichteten“ Zufall, über den Rupert Riedl in seinem Buch „Strategie der Genesis“ 1986 berichtet hat. (Siehe auch: W. Kapral, Aufsatz Zufall)
- Ist mein Sein für immer gedacht oder nur auf meine Lebenszeit beschränkt?
In diesem Fall habe ich nur ein zufällig entstandenes, zeitlich begrenztes Leben zu Verfügung und vergehe ins Nichts.
- Oder hat mein Leben einen über die Lebenszeit hinausgehenden Sinn und ein ebensolches Ziel?
Für meine Meinungsbildung war es wichtig
- Gegner und Befürworter des Glaubens in ihren Argumenten kennenzulernen,
- diese Argumente zu qualifizieren (Stringenz),
- mein eigenes Glaubenswissen durch ein Hochschulstudium zu verbessern.
Meine Meinung zu meinen Kardinalfragen ist:
- Ich wünsche mir, dass mein Sein einen Grund und ein Ziel hat.
- Das kann ich nur erwarten, wenn Gott existiert.
- Ich brauche einen persönlichen Gott, der die Menschen und jeden einzelnen von uns und so auch mich liebt und an den ich mich im Gebet wenden kann.
- Richtigkeit und Wahrheit dieser meiner Meinung halte ich für sehr viel wahrscheinlicher als das Gegenteil. Diese Unsicherheit nehme ich in Kauf, um meinem Leben Sinn zu geben.
Meine dem Verstand zuzuordnende genannte Meinung zu den Kardinalfragen ist nicht der Grund, warum ich glaube, sondern nur eine Motivation.
Eine wesentliche Rolle dürfte meinem Gefühl (siehe oben: Organe der Orientierung) zukommen, das meine Vernunft unterstützt.
Zu Meinem Glauben bin ich durch beide, Verstand und Gefühl, gekommen.
Vernunft und Gefühl sagen mir:
- Dieses Sein kann nicht ohne bleibenden Sinn entstanden sein.
- Es muss Sinn und Zweck haben.
- Es kann doch nicht sein, dass wir Menschen mit all unserer Ausstattung nur zufällig entstanden sind und dass wir genau so zufällig wieder verschwinden.
- In meinem langen Leben habe ich mehrere wunderbare Widerfahrnisse erlebt, die in ihrer Gesamtheit einen Zufall als ihren Grund mehr als unwahrscheinlich erscheinen lassen.
Rein spekulativ kann ich mir als Grund und Ursache des Seins Folgendes vorstellen:
- Die Motivation für die Erschaffung des Seienden ist die (Gottes-)Liebe
- Das Material für das Erschaffen ist die mit Leben erfüllte Materie.
- Das Ziel der Schöpfung ist der von Liebe erfüllte Kosmos.
Wäre das nicht wunderbar schön?
Mein Glaubenszugang ist schon in meiner Kindheit geprägt worden. (siehe oben)
Zur Prägung ist Folgendes zu sagen:
Nach Johannes Huber (Wunderwerk Frau, Seite 69): „Die Entscheidung, ob man an Gott glaubt oder nicht, ist eine epigenetische. Walter Thirring, einer der ganz großen mathematischen Physiker und Schüler von Albert Einstein, vertrat die Ansicht, dass es nicht Argumente, sondern Präge-Erlebnisse sind, die den Menschen für Transzendentales sensibilisieren oder auch nicht“.
Wie man aus dem Kinderglauben dann in der Pubertät und im weiteren Leben in den Glauben des erwachsenen Menschen wechselt und wie schwer oder leichter man sich damit tut, ist wahrscheinlich vorgegeben.
Das führt nun direkt zu meinen
Fragen an den Glauben
Diese betreffen:
- Die Ungleichheit schon beim Start zum Glauben
- Genügt allein der Glaube, um das Heil zu erlangen?
- Vorherbestimmung Gottes
- Kann Gott angesichts von Auschwitz zugleich allgütig und allmächtig sein?
- Kann es einen Gott geben, der den schrecklichen Tod seines Sohnes als Opfer für sich verlangt?
- Was ist mit der Unüberwindbarkeit der Kirche durch das Böse (Matth 16, 18) angesichts der derzeitigen großen Schwierigkeiten der Kirche?
- Ist die angedrohte ewige Strafe beim Weltgericht (für die Verfehlungen der Menschen Matth 25, 31-46) angesichts seiner sehr beschränkten Bewährungszeit und seiner Schwierigkeiten mit Willen und Verantwortung gerecht?
- Hat sich Jesus angesichts seiner Weissagung über den baldigen Eintritt des Weltendes geirrt?
- Entspricht die Haltung der Kirche gegenüber Frauen der Bibel?
- Die Schwierigkeiten der Kirche: Warum versucht die Kirche kleingläubig, den Glauben durch restriktive Maßnahmen gegen Aufklärung, Wissenschaft und Lehre (Modernisten-Eid, Lehrverbote, Bücherverbote etc.) zu schützen, statt glaubensstark zu argumentieren?
- Hat beim Ersten Vaticanum bei der Verkündigung der Unfehlbarkeit des Papstes wirklich der Heilige Geist mitgewirkt?
- Ist das Ewige Heil, das Christus verkündet hat, nur für die Christen bestimmt?
Ich will eine Beantwortung dieser Fragen versuchen. Dabei behaupte ich nicht, dass die Antworten wirklich zutreffend sind, wohl aber beanspruche ich die mögliche Richtigkeit der Antworten.
Ad 1) Die Ungleichheit schon beim Start zum Glauben
- Diese Bedingungen stören mich an sich wenig.
- Allerdings würden ungleiche Startbedingungen für den Glauben schon in der Prägephase entstehen, wenn man folgenden Vers des Johannes-Evangelium wörtlich auslegte: „Wer an ihn (Jesus) glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nichtan den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. (Joh 3,18)“.
- Dieser Vers würde den Ausschluss aller Nicht Glaubenden vom Ewigen Heil bedeuten. Er wäre damit eine ungerechte Bevorzugung der in der Prägephase für den Glauben Sensibilisierten.
- Sicher soll hier nur die Wichtigkeit des Glaubens betont werden und sicherlich ist nicht eine Bevorzugung der Glaubenden gemeint.
Ad 2) Genügt allein der Glaube, um das Heil zu erlangen?
- Die Meinung Luthers, dass allein der Glaube für das Heil entscheidend sei, wird im Jakobusbrief entkräftet. Bei Jak 2,17 findet man: „So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat“.
- Bei Jak 2,18 ist zu lesen: „Nun könnte einer sagen: Du hast Glauben und ich kann Werke vorweisen; zeig mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir meinen Glauben aufgrund der Werke“.
- Die Werke stehen also für den Glauben, selbst wenn man nicht zum Glauben findet.
Dazu auch Gerhard Bronner (Zitat eines Rabbi): „Gott ist es scheißegal, ob Sie an ihn glauben oder nicht, wenn Sie nur seinen Willen tun.“
Ad 3) Vorherbestimmung Gottes
- Im Paulus-Brief an die Römer ist zu lesen: (Röm 8,30) „Die er (Gott) aber
vorherbestimmt hat, die hater auch berufen, die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht. - Dieser Vers ist, isoliert betrachtet und aus der Theologie des Paulus herausgerissen, (meiner Meinung nach) nicht haltbar, weil er dem freien Willen des Menschen widerspricht.
- Wahrscheinlich wollte Paulus nur die Güte Gottes gegenüber den zum Glauben Gelangten und seine Gnade aufzeigen und hat nicht ein durch die Vorherbestimmung entkräftetes freies Wollen der Menschen gemeint.
Ad 4) Kann Gott angesichts von Auschwitz zugleich allgütig und allmächtig sein?
Eine Antwort glaube ich gefunden zu haben in W. Kapral, Aufsatz „Gedanken zur Vereinbarkeit der Attribute All-Macht und All-Güte Gottes“.
Kurz zusammengefasst:
- Gott hat seine Allmacht in seiner Schöpfung zeitlich begrenzt zurückgenommen, damit der Mensch in Freiheit die Gottes-Liebe erwidern kann.
Ad 5) Kann es einen Gott geben, der den schrecklichen Tod seines Sohnes als Opfer für sich verlangt?
Diese Frage hat mich lange beschäftigt:
- Antwort: nein.
Siehe Kreuzestod im Aufsatz „Gedanken zu Gottheit und Menschheit unseres Herrn Jesus Christus“.
- Christus hat Gott nur indirekt seinem Vater sein Kreuzes-Opfer gebracht.
- Er hat sich im Kampf gegen das Böse für die Menschen geopfert.
- In diesem Kampf hat er seine Liebe, seine Gewaltlosigkeit, seine Bereitschaft zu verzeihen bis zu seinem Tod gegen alle Versuchungen des Bösen durchgehalten. (siehe W. Kapral: Gedanken zum Karfreitag)
- So hat er die Macht des Bösen gebrochen und
- den Zustand der Menschheit so verbessert, dass sie dem Plan des Vaters entsprechend gerettet werden kann.
Ad 6) Was ist mit der Unüberwindbarkeit der Kirche durch das Böse (Matth 16, 18) angesichts der derzeitigen großen Schwierigkeiten der Kirche)?
(siehe W. Kapral, Gedanken über die schwierige Situation der katholischen Kirche)
- Die Schwierigkeiten der Kirche beruhen wohl auf der Unvereinbarkeit von Macht und demütiger Liebe.
- Die Schwierigkeit mit der Macht dürfte ihre Wurzel haben im Edikt von Mailend (317 Vereinbarung zwischen Kaiser Konstantin (Westrom) und Kaiser Licinius (Ostrom), Religionsfreiheit (den Christen) zu gewähren) und in der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion (380 Kaiser Theodosius I.). Das hat zu Macht, Ansehen und Reichtum der Kirche geführt und Liebe und Dienen in den Hintergrund treten lassen.
- Der Herr hat die Kirche nicht belehrt, wie sie den Glauben schützen soll gegen die Pforten der Hölle, sondern nur, dass die Hölle sie nicht überwältigen wird.
- Der Glaube kann mit Vorschriften nicht geschützt werden.
- Er kann nur durch Belehrung und Verkündigung in Demut und Liebe verteidigt werden.
- Solange die Kirche auf das Monopol von Macht und Gewalt nicht verzichtet, bleibt der Ausgang des Kampfes mit dem Bösen offen.
- Die Rückkehr zu Demut und Liebe wird trotz der Widerstände mancher Mächtiger in der Kirchenverwaltung gelingen.
Ad 7) Ist die angedrohte ewige Strafe beim Weltgericht (für die Verfehlungen der Menschen Matth 25, 31 – 46) angesichts seiner sehr beschränkten Bewährungszeit und seiner Schwierigkeiten mit Willen und Verantwortung gerecht?
Text Matth. 25-46: „31 Wenn der Menschensohn in seiner ganzen Herrlichkeit, begleitet von allen Engeln, wiederkommt, dann wird er auf dem Thron Gottes sitzen. 32 Alle Völker werden vor ihm erscheinen, und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen, so wie ein Hirte die Schafe von den Böcken trennt. 33 Rechts werden die Schafe und links die Böcke stehen. 34 Dann wird der Richter zu denen an seiner rechten Seite sagen: ‚Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet. Nehmt das Reich Gottes in Besitz, das er seit Erschaffung der Welt für euch als Erbe bereithält! 35 Denn als ich hungrig war, habt ihr mir zu essen gegeben. Als ich Durst hatte, bekam ich von euch etwas zu trinken. Ich war ein Fremder bei euch, und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich war nackt, ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich war krank, und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.‘ 37 Dann werden sie fragen: ‚Herr, wann bist du denn hungrig gewesen und wir haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und wir gaben dir zu trinken? 38 Wann haben wir dir Gastfreundschaft gewährt, und wann bist du nackt gewesen und wir haben dir Kleider gebracht? 39 Wann warst du denn krank oder im Gefängnis und wir haben dich besucht?‘ 40 Der Richter wird ihnen dann antworten: ‚Das will ich euch sagen. Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan!‘ 41 Zu denen auf seiner linken Seite aber wird er sagen: ‚Geht mir aus den Augen, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer, das für den Teufel und seine Helfer bestimmt ist! 42 Denn ich war hungrig, aber ihr habt mir nichts zu essen gegeben. Ich war durstig, aber ihr habt mir nichts zu trinken gegeben. 43 Ich war ein Fremder unter euch, aber ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich ch war nackt, aber ihr wolltet mir nichts zum Anziehen geben. Ich war krank und im Gefängnis, aber ihr habt euch nicht um mich gekümmert.‘ 44 Dann werden auch sie ihn fragen: ‚Herr, wann haben wir dich denn hungrig oder durstig, ohne Unterkunft, nackt, krank oder im Gefängnis gesehen und dir nicht geholfen?‘ 45 Darauf wird ihnen der Richter antworten: Die Hilfe, die ihr meinen geringsten Brüdern und Schwestern verweigert habt, die habt ihr mir verweigert.‹ Und sie werden der ewigen Strafe ausgeliefert sein. Aber die Gottes Willen getan haben, erwartet unvergängliches Leben.“
- Ich habe den Eindruck, dass in den Evangelien manche Worte Jesu pädagogisch übertrieben wurden, um den Menschen in seinen Bemühungen nicht schlampig werden zu lassen.
Origines hofft auf eine Generalverzeihung Gottes (Apokatastasis).
- Man darf wohl davon ausgehen, dass am Ende des Weltgeschehens Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit Gottes vereint zum End-Urteil führen. (Siehe auch W. Kapral, Aufsatz über Gerechtigkeit Gottes und der Welt.)
Ad 8) Konnte Christus Jesus irren?
Dazu die einschlägigen Bibelstellen:
Hebräer 4,15: „Wir haben einen Hohepriester, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat.“
Dem Sinn nach: „Christus ist uns in allem gleich geworden, mit Ausnahme der Sünde.“
Wenn damit gemeint ist, dass er nie gesündigt hat, sonst aber in allem uns gleich war, dann hat er sich auch irren können, weil auch wir alle irren können.
Dafür spricht auch Matt. 24, 34 „Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles (gemeint sind die Prophezeiungen über die Endzeit) eintritt.“ Viele Generationen sind seither vergangen, ohne dass das Endereignis eingetreten wäre.
Allerdings ist gleich danach bei Matt 24, 36 zu lesen: „doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.
- Ich glaube, dass die Endzeit mit dem Tod des Herrn schon begonnen hat und dass die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n.Ch. schon ein endzeitliches Ereignis war.
- Dieses Ereignis haben viele Zeitgenossen des Herrn noch erlebt.
- Christus hat also mit der Prophezeiung, dass diese Generation nicht vergehen wird bevor die Endzeit eintritt, nicht geirrt. Wir gehen der Vollendung der Weltgeschichte entgegen.
Ad 9) Entspricht die Haltung der Kirche gegenüber den Frauen der Bibel?
Einschlägige Bibeltexte dazu sind unter anderen:
- 1 Kor 11, 2-3 „ich lobe euch, dass ihr an den Überlieferungen festhaltet. Ihr sollt wissen, dass Christus das Haupt des Mannes ist, der Mann das Haupt der Frau und …“.
- 1 Kor 11, 7- 10 „… der Mann ist Abglanz Gottes, die Frau Abglanz des Mannes. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann. Der Mann wurde nicht für die Frau geschaffen, sonder die Frau für den Mann. Deswegen soll die Frau… das Zeichen ihrer Vollmacht (gemeint ist ein Schleier) auf dem Kopf tragen.“
- Dieser Text stammt von Paulus selbst und gibt so seine Meinung wieder.
- Diese Meinung entsprach einer im römischen Reich damals geltenden Verhaltensvorschrift für Frauen und hatte wahrscheinlich den Zweck, nicht unnötig durch andere Gebräuche aufzufallen.
- 1 Timotheus 2, 11-14
1 Tim 2,11: Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen.
1 Tim 2,12: Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten.
1 Tim 2,13. Denn zuerst wurde Adam erschaffen, danach Eva.
1 Tim 2,14 Und nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Gebot.
- Der Timotheus-Brief stammt aus der Paulus-Schule
- Dazu möchte ich die neueren Forschungen über Mitochondrien bemühen:
- Die Sauerstoff-Erde mit ihrer Atmosphäre, die Atmung, der Stoffwechsel und die energetisch aufwendige Höher-Entwicklung der Arten sind ausschließlich durch die Erschaffung der Mitochondrien.“ (Johannes Huber, Wunderwerk Frau, Seite 74) entstanden
- Die ersten Mitochondrien sind in Ostafrika vor zwei Millionen Jahren entstanden (Huber, Seite 76)
- Mitochondrien werden ausschließlich von weiblichen Wesen an die nächste Generation weitergegeben. Die Mitochondrien des Spermas werden von der Eizelle zerstört. (Huber, Seite 72 bzw. 76)
- Nach diesen Forschungsergebnissen muss die Frau als erste vor dem Mann erschaffen worden sein.
- Tim 2, 11-14 ist für unsere heutigen Begriffe präpotent, unlogisch und wahrscheinlich falsch.
Ad 10) Warum ist die Kirche so restriktiv
- Die Kirche denkt und handelt in Jahrhunderten.
- Sie versucht einmal gefasste Gedanken und Meinungen in Glaubenssätzen zu zementieren, um so den Glauben zu schützen.
- Das sind Zeichen fehlender Glaubensstärke und menschlicher Schwäche.
- Leider sind die Widerstände einiger sehr konservativer Kreise in der Verwaltungsstruktur der Kirche so stark, dass selbst der Papst ganz dringende Änderungen nur unter großen Schwierigkeiten und äußerst langsam herbeiführen kann. (siehe W. Kapral, Gedanken zu Schwierigkeiten der Kirche)
- Die Kirche sollte furchtlos Glaubensstärke zeigen und sich nicht gegen andere Meinung hinter unhaltbaren Argumenten verschanzen, sondern der Kraft ihrer Argumente und dem in ihr wehenden Geist vertrauen.
Ad 11) Irrtumsfreiheit des Papstes
- Über die Auslegung dieses Glaubensartikels sind die Meinungen sehr geteilt. Einem Menschen die Irrtums-Freiheit aufzulasten, ist schlechthin unzumutbar und überfordert auch den Besten.
- Diese Irrtums-Freiheit ist auch ein kaum umgehbares Hindernis für die Vereinigungsbestrebungen der Kirchen.
- Die Meinung, dass hier nicht der Heiligen Geist mitgeholfen hat, dürfte von sehr vielen Christen geteilt werden.
- Wenn eine Zurücknahme dieses Glaubensartikels unmöglich erscheint, sollte er wenigstens in der Glaubenspraxis keine Rolle spielen.
Ad 12) Ist das Ewige Heil, das Christus verkündet hat, nur für die Christen bestimmt?
Diese Frage möchte ich an Hand von zwei Begriffen erörtern.
- Solus fide (das bedeutet, dass das Heil nur durch den Glauben gewonnen wird)
- Solus Christus (das bedeutet, dass das Heil nur durch Christus gewonnen wird)
Ad 1) Solus fide
- Die einzige Bibelstelle, die die Grundlage für diese „Allein durch den Glauben bieten würde, ist Röm. 3,28: „wir sind der Meinung, dass der Mensch gerecht wird durch den Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes“
- Luther hat das „Allein“ in den Text eingefügt: …allein durch den Glauben…“ Dieses „allein“ gibt es im ursprünglichen griechischen Text nicht.
- Somit gibt es in der Bibel keinen Text, der die Meinung, dass der Mensch schon allein durch seinen Glauben gerechtfertigt wird, belegt.
Ad 2) Solus Christus
- Der Vers für die Wandlung des Weines in das Blut Christi lautet bei Matthäus 26,27-28 folgendermaßen: „das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“
- Die Wandlungsworte finden sich in gering unterschiedlicher Weise bei Matthäus 26,27-28, bei Markus 14, 25-26, bei Lukas 22,20 und bei Paulus in 1 Kor. 11,20
- Für die heilige Messe sind die Wandlungsworte für den Wein vereinheitlicht worden: „Nehmt und trinkt alle daraus: das ist der Kelch des Neuen und Ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden (Messbuch 1975)
- In diesen Wandlungsworten für den Wein wird deutlich, dass die Erlösungstat unseres Herrn Jesus Christus für alle Menschen ohne Unterschied (von Rasse, Nationalität, Hautfarbe, Gestalt, Wissen, Intelligenz, für alle an Gott Glaubende, für Angehörige anderer Religionen, und auch für sogenannte Nicht-Glaubende) geschehen ist
- In diesem Sinn sind alle, die sich um das Gute bemühen, eingeschlossen, weil sie damit den Willen des liebenden Gottes erfüllen
- Ihr sinnvolles Leben ist für die Ewigkeit bestimmt
Schlussbemerkung:
- Alle Glaubens-Fragen, nicht nur meine, sollten an Hand der Bibel und in vielen Gesprächen und in vielen Gedanken ohne Übereilung, aber mit Offenheit und Vertrauen überlegt und einer Lösung zugeführt werden.
- Dabei sollte man nicht um Buchstaben ringen, sondern auf den Geist achten, der die Bibel durchweht und auf das. was Gott uns heute mit den alten Texten sagen will.
- Das Ringen um den Glauben dauert ein ganzes Menschenleben bis in seine letzte Stunde.
Walter Kapral, 24.November 2023
