Gedanken zum Karfreitag – Warum und wofür starb Christus am Kreuz

Vorwort

Glaube und Wissenschaft waren bei der Bildung meines Weltbildes und meiner Gedanken wichtig.

Diese Überlegungen beziehen sich vorwiegend auf den christlichen Glauben.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Die geltende Meinung der röm.kath. Kirche
  2. Gedanken zum Kreuz
  3. Gedanken zum Vater unser
  4. Das Kreuz
    • Paulus, seine Meinung zum Kreuz in 1 Kor 1,18-31 (Einheitsübersetzung):
    • Die Todesstrafe der Kreuzigung
    • Versuchungen Christi währen seines Leidens
  5. Leiden und Tod des Herrn
  6. Jesus Christus hat seine Lebensaufgabe vollbracht
  7. Versuch einer ganzheitlichen Betrachtung des Schöpfungsvorganges
    Diskussion über die vier Gründe für die Entstehung der Schöpfung
  8. Diskussion über die Ewigkeit

 

  1. Die geltende Meinung der röm.kath. Kirche

 Ich habe zunächst im Internet etwas gefunden und auszugsweise wiedergegeben.

Die darin geäußerte Ansicht lehne ich persönlich ab:

(https://www.bibelstudium.de>articles>die sühnenden Leiden Christi)

  • Christus – das Sühnemittel

Durch das Werk des Herrn auf Golgatha ist der höchste Beweis dafür erbracht, dass Gott gerecht ist, wenn er so handelt und sich nicht untreu wird. Der Herr Jesus hat Gott vollkommen verherrlicht (Joh 13,31), d.h. seine Vollkommenheit in allen Punkten sichtbar gemacht. Am Kreuz hat der Herr endgültig bewiesen, dass die Schlange Unrecht hatte, dass Gottes Majestät nicht ungestraft missachtet werden kann und dass er wahrhaftig ist und nicht lügen kann, aber auch, dass er Liebe ist und nur segensreiche und gute Absichten hat.

Der Kelch, den der Herr getrunken hat, ist der Kelch des Zorns Gottes, den der Sohn Gottes in den drei Stunden der Finsternis getrunken hat. Der Herr ist auf Golgatha, wo er „unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat“ (1. Pet 2,24), unser Stellvertreter geworden und hat dort den heiligen Zorn Gottes über die Sünde in vollem Ausmaß zu spüren bekommen. Er wurde dort „für uns zur Sünde gemacht“ (2. Kor 5,21), d.h. Gott hat in seiner Person die Sünde vor sich gehabt und bestraft, wie er uns in Ewigkeit hätte bestrafen müssen. Er hat dort die Sünde im Fleisch verurteilt, damit wir freigemacht werden können (Röm 8,3).

  • Christus hat für Sünden gelitten

Petrus schreibt im ersten Brief, dass „Christus einmal für Sünden gelitten“ hat (1. Pet 3,18). Es heißt hier nicht, dass Christus für Sünden gestorben ist, was ebenfalls wahr ist (1. Kor 15,3). Hier bedeutet Leiden mehr als den Tod, schließt diesen aber ein, wie der Vers weiter nahelegt. Im Zusammenhang der Stelle will Petrus sagen: Leiden für Gutes tun kann für einen Christen der Wille Gottes sein, Leiden für Böses tun aber nicht, denn der einzige, der Leiden für Sünden entsprechend dem Willen Gottes tragen sollte, war Christus.

Ohne Frage hat Christus auch in seinem ganzen Leben gelitten. Die Leiden in den drei Stunden der Finsternis auf Golgatha waren aber besondere Leiden.

  • Von Gott verlassen

Der Herr war tatsächlich von Gott verlassen, es war nicht nur sein Empfinden. Wenn der Herr so etwas sagt (und die Frage ist ja auch nicht, ob er verlassen war, sondern warum), dann entspricht das auch objektiv der Wahrheit. Er ist die Wahrheit in Person (Joh 14,6) und seine Worte können das nur bestätigen (Joh 8,25).

  • Der Schluss, dass dies geschah, weil er mit unseren Sünden beladen war und stellvertretend für uns den heiligen Zorn Gottes im Gericht über die Sünden erduldet hat als er, zur Sünde gemacht, am Kreuz hing, ist sehr naheliegend.
  • Die Satisfaktionslehre ist Bestandteil der christlichen Erlösungslehre. Anders als die Sühnopfertheologie wirft die Satisfaktionslehre einen systematisch-theologischen Blick auf die Deutung des Todes Jesu. Bei der Satisfaktionslehre handelt es sich also um ein spezifisch christliches Dogma und nicht um die exegetische Diskussion heiliger Texte mit Opfertheologien (Sühnopfertheologie). Nach dieser Vorstellung ist der Tod Jesu als Sühnopfer nötig, um eine angemessene Wiedergutmachung für die Verletzung der Ehre Gottes zu leisten, die durch den Sündenfall der Menschen geschehen ist. Für Gott habe es nur die Alternative gegeben „entweder Strafe“ (aut poena), d. h. die Vernichtung der gesamten Menschheit „oder Wiedergutmachung“ (aut satisfactio) durch eine die Sünde aufwiegende Ersatzleistung. Damit die Ersatzleistung aber schwerwiegender als die Menschheitssünde sein konnte, war es nötig, dass Gott selbst Mensch wurde, um nun – als selbst Sündloser – in der menschlichen Gestalt Jesu Christi sein Leben als satisfactio für die Sünden der Menschen dahin zu geben. (wikipedia: https//.de.wikipedia.org>wiki>satisfaktionslehre)

In den Aufsätzen über „Gottheit und Menschheit ….Christi“ und „Gedanken zur Vereinbarkeit der Attribute All-Macht und All-Güte Gottes“ ist meine Meinung dazu auch zu entnehmen.

  1. Gedanken zum Kreuz
  • Als Erklärung für den Kreuzestod des Herrn gilt in der Katholischen Kirche die Selbstopferung Jesu an Gott (Agnus dei)
  • Thomas von Aquin schreibt in seinem Opusculum zum Fronleichnamsfest: „Auf dem Altar des Kreuzes brachte er seinen Leib Gott, dem Vater, als Opfer dar, um uns mit ihm zu versöhnen.
  • Im Gnostischen Doketismus wurde die Menschheit Jesu geleugnet. Er habe nur einen Scheinleib gehabt und demnach nicht gelitten.

Diese drei Ansichten befriedigen weder Verstand noch Vernunft:

  • Es ist nicht verständlich, dass Gott Vater zur Wiederherstellung seiner gekränkten Ehre, das Todesopfer seines Sohnes braucht.
  • Sehr wohl verständlich ist, dass Christus im Auftrag des Vaters mit den „Waffen des Lichts“ (Grenzenlose Liebe, Vergebung) mit dem Bösen, dessen Waffen Hass, Neid, Lieblosigkeit, Lüge, Verführung waren, um die Rettung der verführten Menschheit gekämpft hat.
  • Christus ist in diesem Kampf zwar physisch unterlegen, im wesentlicheren, geistigen Bereich hat er dadurch, dass er an der Liebe bis in seinen Tod hinein festgehalten hat, das Böse entmachtet.
  • Damit hat er die Menschen dem Bösen entrissen. Er hat ihnen den Zugang zur Liebe des Vaters wieder ermöglicht, ohne ihre Freiheit zu schmälern.
  • Jesus Christus hat ein Zeichen der Solidarität Gottes mit den Menschen gesetzt.
  • Gott hat die Menschen in ihrem Kampf gegen das Böse nicht alleine gelassen.
  • Jesus Christus hat für die Wahrheit seiner Botschaft mit seinem Leben gezeugt.
  • Durch die Auferstehung seines Sohnes hat der Vater die Botschaft des Sohnes bestätigt und seine Allmächtigkeit kundgetan.
  • Die grenzenlose Liebe und Barmherzigkeit des Vaters ist durch die Entsendung seines Sohnes zur Rettung der Welt offenkundig geworden.
  • Zur Ansicht des Doketismus erübrigt sich jede Diskussion. (Mit einem „Scheinleib“ wäre die Kreuzigung nur ein sinnloses Schauspiel gewesen)

Ich darf mir erlauben, hier Gedanken einzufügen, die mir beim Gebet eines Vaterunsers gekommen sind. Ich habe dieses Vaterunser in einer ganz besonderen Lebens-Situation gebetet, und zwar nach der Rückkehr von der Intensivstation. Mein Denken scheint während der Zeit auf der Intensivstation völlig ausgeschaltet gewesen zu sein. Ich habe keine Erinnerung an diese Zeit. Meine Ärzte und meine Lieben haben damals nicht mehr mit meinem Überleben gerechnet.

  1. Gedanken zum „Vater unser“ (Februar 2015)
  • Die größte Liebe zwischen Menschen wird oft mit der Liebe zwischen Vater und Sohn verglichen. Aber welch ein Unterschied zwischen Menschen- und Gottesliebe!!!
  • Und Du, Vater, sendest Deinen Sohn zum Kreuzestod und Du, Sohn, zögerst nicht, den Dir vom Vater zugeteilten Teil Eurer Liebe zu den Menschen in die Tat umzusetzen.
  • Gott Vater und Sohn, was tut Ihr da? Übersteigt Euer gemeinsames Werk, das auf voller Freiheit beruhende, universelle Gottesreich des Liebeskosmos, die Liebeskraft der göttlichen Vater-Sohn-Liebe so weit, dass es von Vater und Sohn gemeinsam getan und gemeinsam vollendet wird?

Fragen über Fragen, die sich ergeben!

  • Hat Gott, um die Freiheit der Liebeserklärung zu garantieren, seine Macht zurückgenommen und damit das Böse erst ermöglicht?
  • Nimmt er das Böse um der Liebe willen in Kauf?
  • Kämpft Gott Selbst mit dem Bösen?
  • Die Waffen Gottes: Liebe und Gewaltfreiheit
    Waffen des Bösen: Gier, Unterdrückung.
  • Ist Euer unteilbares Liebeswerk Gottes Reich im Menschenreich in der Stunde des Kreuzes begonnen und vollendet?  Oder:
  • Wurde der Bau des Liebeskosmos, das Gottesreich, begonnen mit dem Urknall, fortgeführt im Gotteskampf des Kreuzes, vollendet am jüngsten Tag? Oder: Ist das Gottesreich begonnen und vollendet zu gleicher Zeit?
  • Sind der Beginn des Gottesreiches und seine Vollendung gebunden an den Zeitfaktor? Oder:
  • Entstehung und Vollendung des Gottesreiches geschehen im Augenblick, sind von der Zeit unabhängig?
  • Wieso sieht das Böse nicht die Aussichtslosigkeit seines Kampfes? Oder ist ihm, dem Bösen, trotz aller Aussichtslosigkeit die dabei auftretenden Abfallprodukte (Hass, Macht, Entzweiung) so wertvoll?
  • Gott als der Erbauer des Gottesreiches wird der Heilige genannt, um für das menschliche Denken einen Begriff zu haben.
  • So beten wir: Gott, Du unser Vater im Himmel, Dein Tun ist das Heilige, Du baust Dein Reich für uns, so dass es deinem Willen entspricht. Aus Deinem Tun erhalten wir das tägliche Brot, die Verzeihung unseres Fehlhandelns, dem wir uns unseren Mitmenschen gegenüber anschließen, und die Errettung vor dem Bösen.

Ging es nicht anders? Unsere Welt ist, wird sie als von der Zeit unabhängig betrachtet, die beste aller möglichen Welten, wie schon Leibnitz meinte und dafür belächelt wurde.

Den Wortlaut habe ich gegenüber der Aufzeichnung im Februar 2015 nicht geändert, obwohl manches einer Erklärung bedarf. Diese wird sich im Lauf aller Betrachtungen hoffentlich ergeben.

  1. Das Kreuz
  • Paulus, seine Meinung zum Kreuz in 1 Kor 1,18-31 (Einheitsübersetzung):

18 Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit;
Uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft
19 Es heißt nämlich in der Schrift:
Ich lasse die Weisheit der Weisen vergehen
Und die Klugheit der Klugen verschwinden
20 Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter?
Wo ein Wortführer dieser Welt?
Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt?
21 Denn, da die Welt angesichts der Weisheit Gottes
Auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte,
beschloss Gott, alle, die glauben,
durch die Torheit der Verkündigung zu retten.
22 Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit.
23 Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten
Für Juden ein empörendes Ärgernis,
Für Heiden eine Torheit.
24 Für die Berufenen aber, Juden wie Griechen,
Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit
25 Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen
Und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen
26 seht doch auf eure Berufung Brüder!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
27 Sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt,
um die Weisen zuschanden zu machen,
und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt,
um das Starke zuschanden zu machen.
28 Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt:
Das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten,
29 Damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.
30 Von ihm her seid ihr in Christus Jesus,
den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat,
Zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung
31 Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn;
So heißt es schon in der Schrift.

  • Die Todesstrafe der Kreuzigung

Die Kreuzigung ist wohl eine der schrecklichsten Erfindung des Menschen, zu der ihn sein Verstand befähigt hat, um seinen Mitmenschen zu quälen und seinen Hass zu befriedigen, in völliger Perversion seiner Vernunft.

Bei einem Römischen Bürger wurde das Todesurteil durch Enthauptung vollstreckt, wobei meist die Öffentlichkeit ausgeschaltet war. Die Kreuzigung hingegen wurde meist an Sklaven oder Nicht-Römern zur Abschreckung grausam und öffentlich vollstreckt.

Bei der Kreuzigung vollzogen nicht die Menschen das Todesurteil direkt, sondern die Götter mit Hilfe der Kräfte der Natur, wie Sonne und Wind.

Die Todesursache war bei der Kreuzigung mehrfach: Kollaps, Schock, Ateminsuffizienz (Ersticken). Durch Brechen der Unterschenkelknochen wurden Schock und Ateminsuffizienz so massiv verstärkt, dass der Tod relativ rasch eintrat.

Nach der Griechischen Sage wurde Polykrates von Oroites auf Samos gekreuzigt.

Wie Herodot berichtet, ging ein Traum der Tochter des Polykrates in Erfüllung, in dem sie ihren Vater in der Luft schwebend von Zeus gebadet (Regen) und von der Sonne gesalbt gesehen hat.

(Schreiber Hermann: „Die Zehn Gebote, der Mensch und sein Recht“, Deutsche Buchgemeinschaft, Berlin Darmstadt Wien (1965) S.137 ff)

Die Kreuzigung ist seit etwa 1000 vor Christus bei Phoeniziern, Assyrern und Persern bekannt.

Alexander d. Große ließ sie 332 bei der Eroberung von Tyrus an 2000 Menschen vollstrecken.

(Kreuzigung aus Wikipedia, freie Enzyklopädie http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzigung)

 Das Judentum übernahm das Aufhängen ohne Annageln von den umgebenden Völkern und erst später die Verwendung von Nägeln. (Josua 8,29)

Ein Gehenkter galt den Juden als ein von Gott Verfluchter (Dt 21,23; Gal 3,13) 2. April 2021

  • Versuchungen Christi währen seines Leidens

Die Hauptaufgabe von Jesus war es, die Macht des Bösen zu brechen durch Liebe und Gewaltlosigkeit in schwerstem Leiden. Als Mensch hat er verzweifelt versucht, diese Aufgabe zu umgehen (1. Versuchung am Ölberg)

Er hat furchtbare Schmerzen, die ihm von gefühllosen, sadistischen Menschen zugefügt wurden, erlitten (2. Versuchung Geißelung).

Er hat schwere Verspottung erlitten (3. Versuchung Dornenkrönung).

Er hat Demütigung und Schmerz erlitten, als er gezwungen wurde, das für ihn bestimmte Kreuz zu tragen. Er war geschwächt und ist gestürzt, aber er hat alle seine Kräfte zusammengenommen und ist wieder aufgestanden (4. Versuchung).

Am Kreuz hat er den qualvollsten Tod, den sich Menschen in ihrem Erfindungsreichtum und ihrer Bösartigkeit ausdenken konnten, erlitten. Er hat in seiner Verlassenheit zu Gott aufgeschrien (5. Versuchung).

  1. Leiden und Tod des Herrn

Sein Leiden hat Jesus in seiner ganzen Menschlichkeit erlitten. Der in ihm anwesende Gott (siehe „Gottheit und Menschheit unseres Herrn Jesus Christus“) hat seinen Willen gestärkt, nicht aber seine Leiden vermindert. Der Kreuzweg beginnt mit seiner Angst im Garten Gezemaneh. Dort wurde er gefangen genommen im Auftrag der Hohepriester Hannas und Kaiphas. Er war verschiedenen Verhören ausgesetzt. Pontius Pilatus ist der Warnung seiner Gattin nicht gefolgt, sondern der von den Hohepriestern dominierten Volksmenge. Er hat die Geißelung und Kreuzigung Jesu befohlen. Die Soldateska hat ihren Spott mit ihm getrieben. Nachdem er sein Kreuz mit Unterstützung durch Simon von Zyrene (Luc 15, 21) selbst zum Hinrichtungsort geschleppt hatte, wurde er dort der oben beschriebene Hinrichtungsart unterworfen.

Jesus hat nicht hoheitsvoll vom Kreuz herunter gesprochen, sondern sich seine Worte mühsam abgerungen. Zuletzt hat ihn Gott verlassen. Er hat nicht hoheitsvoll und laut gerufen „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist (Luc 23, 46) oder gesprochen „Es ist vollbracht“. Nein!! Er hat in der höchsten Not eines Menschen unmittelbar vor seinem Tod mit seinem letzten Atemzug laut aufgeschrien (Mark 15, 37 Matth 27, 50) und war dann tot. Das war ein furchtbares Sterben: Maria, seine Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, Maria Magdalena und Johannes, der Lieblingsjünger, haben das hautnah miterlebt.

Bemerkung zum „Agnus Dei“

Gott wurden seit alters her Opfer dargebracht (Kain und Abel). Man wollte sich mit Gott (oder den Göttern) gut stellen, sich mit ihm versöhnen, ihn besänftigen, ihm ein Zeichen der Verehrung setzen, eine Bitte erfüllt haben (wie gutes Wetter, genügend Wasser auf den Feldern, Erfolg, Heilung).

Es waren Feldfrüchte, die verbrannt wurden, oder oft Tiere (Lämmer), die geschlachtet und verbrannt wurden. Ein solches Lamm hatte meist zum Menschen wegen dessen Fürsorge, Behütung und guter Behandlung Vertrauen gewonnen. Es hatte keine Ahnung, was der mit ihm vorhatte. Es hatte deshalb auch keine Angst, geschweige denn einen Grund, angstvoll aufzuschreien.

Christus war sich sehr wohl bewusst, was ein Kampf mit dem Bösen bedeutet. Aus Liebe zum Menschen hat er diesen Kampf auf sich genommen. Er hat Angst gehabt und Schmerzen, wahnsinnige Schmerzen gelitten. Er hat dieses Opfer schweigend erduldet und nur in der Todes-Sekunde aufgeschrien.

Wie ist man auf den Gedanken gekommen, den Opfertod des Herrn mit dem Vorgang der Opferung eines Schafes zu vergleichen?

War das Schweigen des Herrn etwa der Grund dafür?

Wieso beten wir die Hostie, den Leib des Herrn, bei jeder Messe als Agnus Dei (Schaf Gottes) an?

  1. Jesus Christus hat seine Lebensaufgabe vollbracht.
  • In dem wichtigsten und schwersten Schicksalskampf in der Schöpfungsgeschichte wird er zu Recht als Sieger gepriesen.
  • Er ist als erster Mensch zu neuem, ewigem Leben auferstanden.
  • Zu Recht kann das Christusereignis als Höhepunkt des Schöpfungs-Geschehens angesehen werden.
  1. Versuch einer ganzheitlichen Betrachtung des Schöpfungsvorganges

Es könnte wohl so gewesen sein, dass Gott bei Planung und Entstehung seiner

Seins-Schöpfung so ähnlich vorgegangen ist, wie dies Aristoteles als Voraussetzungen (Gründe) für die Herstellung eines Gegenstandes durch Menschenhand genannt hat

  • causa materialis, das Material;
  • causa efficiens, der Beweggrund, warum der Arbeiter oder Handwerker, der auf dieses Material einwirkt;
  • causa formalis, die Form, die der Gegenstand erhält;
  • causa finalis das Ziel, der Zweck des ganzen.

Es könnte wohl so gewesen sein, dass auch Gott bei Planung und Entstehung seiner Schöpfung so ähnlich vorgegangen ist.

  • Diskussion über die vier Gründe für die Entstehung der Schöpfung
  1. Als causa effficiens wäre die Liebe Gottes ein Beweggrund, den Kosmos zu erschaffen.Schon das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war ein vollendet göttliches. Was veranlasste Vater und Sohn darüber hinaus zu gehen?
    Es muss etwas den Wert des alleinigen Gott-Vater- und Gott-Sohn-Verhältnisses Übersteigendes gewesen sein. (Ich darf auf die Gedanken zum Vaterunser verweisen)
    Das könnte die Verbindung der Liebe Gottes mit der Liebesantwort des Menschen gewesen sein.

Dazu müsste der Mensch mit freiem Willen und Vernunft ausgestattet werden. (Eine Liebe, zu der genötigt werden muss, ist „Wert“-los).

Die unausweichliche Konsequenz der Ausstattung des Menschen mit Freiheit und Vernunft wären dann:

  • Gottes (partieller) Rückzug aus der Allmacht.
  • Dadurch erst ergibt sich die Möglichkeit der Entstehung des Bösen.
  • Gott wollte das Heil aller Menschen (siehe 1. Timotheus 2,4). Also waren der Karfreitag und die Erlösung des Menschen durch das Kreuz vorprogrammiert.
  1. Die causa materialis, das Material der Schöpfung, ist das Seiende, der Kosmos
  2. Die causa formalis ist der Mensch und seine freie Entscheidung, Gott und die Mitmenschen zu lieben
  3. Die causa finalis, das Ziel der Schöpfung in der Ewigkeit scheint mir das, was ich gerne den Liebes-Kosmos nennen möchte, zu sein.

Bemerkung: Die Idee des Liebeskosmos ist mir, wie schon gesagt, beim Gebet des Vaterunser nach der Rückkehr ins Leben 2015 gekommen.

  1. Diskussion über die Ewigkeit

Dem Beginn des Seienden kann also ein Gesamtkonzept zugrunde liegen.

Wir selbst hätten dann die Zeit der causa formalis erreicht, in der wir zu unserer Entscheidung über Gottes- und Nächsten-Liebe kommen müssen.

Das ist eine sehr schwierige Phase unseres Lebens, in der wir unsere Entscheidung angesichts der schieren Übermächtigkeit des Bösen und der (scheinbaren) Machtlosigkeit des Guten treffen müssen.

Wir sollen trotzdem unserem Leben einen Sinn verleihen, der allein in Sorge und Liebe gegenüber unseren Mitmenschen und in der Verantwortung für die Welt unserer Kinder besteht.

Dabei sollten wir auf unser Gewissen und unsere Vernunft hören.

Damit würden wir unserem Leben wahre innere Freude und Glück geben. (Frankl)

Vom Glauben her gesehen erfüllen wir damit den unserem Heil dienenden Willen Gottes.

Die Werke sind wichtiger als der Gottesglaube, denn der Glaube ohne Werke ist tot (Jak. 2,17).

Wenn wir, angesichts der großen Schwierigkeiten, die wir gegenwärtig mit dem Gottesglauben haben, nicht zum Glauben an Gott gelangen, aber bei unseren Handlungen unserem Gewissen folgen, erfüllen wir den Willen des Herrn.

(Es gibt einen Ausspruch eines Rabbi, der besagt: „Wenn man seinen Willen tut, ist es Gott egal, ob man an ihn glaubt oder nicht“. Der Bericht darüber stammt, soweit ich mich erinnern kann, von Gerhard Bronner.) Das glaube ich auch.

Seit dem Karfreitag und der Auferstehung Jesu Christi befinden wir uns in der zweiten Hälfte des Schöpfungs-Geschehens und steuern dem Ziel desselben entgegen.

Dieses Ziel wäre dann unser Sein in der Ewigkeit. Von der Ewigkeit wissen wir nur, dass weder Raum noch Zeit existieren werden.

Verheißen ist uns, nicht nur vom christlichen Glauben her, ein ewiges glückliches Leben in Gott (in der Liebe Gottes).

Leben aber bedeutet Bewegung und Veränderung. Beides ist an Zeit gebunden. Diese steht uns in der Ewigkeit nicht zur Verfügung.

Man könnte die Ewigkeit als die Dauer des Augenblicks ohne Begrenzung nennen.

In dieser ewigen Augenblicks-Dauer könnten wir unser ewiges Glück leben.

(Zur Präzision des Begriffs „Dauer“ habe ich schon begonnen, den nächsten Aufsatz über „Dauer und Zeit“ zu entwerfen.)

Hier endet meine Betrachtung über Christus, Gott, das Sein und den Karfreitag.

Schlusswort

  • In diesem Aufsatz ist sehr viel Spekulatives vorhanden, allerdings als eine konkrete Möglichkeit aufgrund (wie ich hoffe) Konsistenz und Kohärenz meiner Ausführungen.
  • Dieser Aufsatz setzt den Glauben an Gott als Ursache des Seins voraus.
  • Ich halte mich für einen kritischen Glaubenden.
  • Ich glaube, dass für eine Meinungsbildung über unsere Existenz Wissenschaft und Glaube solide Grundlagen sind. Mit „Glaube“ meine ich beides: nicht nur das Für-möglich-halten eines persönlichen Gottes, sondern auch den Glauben an einen Kosmos ohne Schöpfer.
  • Sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch jede Art von Glauben sind die Grundlage (Axiome) für weitere Erkenntnis des Existierenden.
  • Eine sichere Wahrheit oder Gewissheit gibt es nur in dem Satz von Descartes „Ich zweifle, also denke ich, also bin ich“. Alles andere Denken ist eine Meinung mit mehr oder minderem Wahrheitsgehalt. Diese Einsicht soll uns aber nie hindern, unseren Verstand und unsere Vernunft zu gebrauchen.
  • Auf den vorliegenden Aufsatz ist die Reihe der vorangegangenen Aufsätze in ihren darin geäußerten Gedanken gerichtet

 

Walter Kapral, 4. Februar 2024