Dies ist eine Liebeserklärung an meine Kirche, die sich römisch und katholisch nennt.
Sie hat mich durch mein langes Leben begleitet. Ich habe mir bei ihr Rat geholt in meinem Glauben an den liebenden Gott, im Weg zu Gott durch die Sakramente, die sie seit Urbeginn ohne Unterbrechung spendet. Sie hat über und für mich gebetet und wird mit Gebet meinen Körper, wenn er ins Grab gelegt wird, begleiten.
Wahrscheinlich werde ich, des dafür notwendigen Organs beraubt, nicht mehr wissen, dass ich bin. Ähnlich einem Zustand mit Ausschaltung der Gehirnfunktion in Narkose, wo ich zwar existiere, davon aber keine Notiz nehmen kann.
Dies ist ein Beitrag mit Kritik und Änderungsvorschlägen, dass es der Kirche gelingt, eine Kirche unseres Herrn Jesus Christus für alle Menschen zu sein oder vielleicht in demütiger Beratung und Begleitung jedes einzelnen Menschen wieder werden könnte.
Jesus Christus hat viel darüber gesagt, wie das Verhalten seiner Apostel und Jünger sein soll, um ihrer Sendungsaufgabe gerecht zu werden.
- Die beiden obersten Gebote der Liebe
(Mat 22, 36-39) „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete (ihm): Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.“ - Demut und Bescheidenheit
(Mk 9,34-35) „Sie hatten unterwegs darüber gesprochen, wer (von ihnen) der größte sei. Da setzte er (Jesus) sich, rief die zwölf und sagte zu ihnen: Wer der erste sein will, soll der letzte von allen und der Diener aller sein.
Ebenso Mat 20, 26-27 „….wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein“. - Demut und Bescheidenheit noch deutlicher in Joh 13, 1-20. Daraus zitiert Joh 13, 14: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so müsst auch ihr einander die Füße waschen.“
- Das Verhalten gegen ihnen anvertraute Menschen. Hier ist Petrus angesprochen, wohl aber sind alle gemeint.
Joh 21, 21-23: Zu Petrus hat Jesus gesagt: „… Weide meine Lämmer….. weide meine Schafe…“. „Weiden“ bedeutet Umsorgen, pflegen, ihnen nachgehen, wenn sie sich verirrt haben, und sie auf den Schultern zurückzutragen.
Keinesfalls ist die Rede von Züchtigung oder Maßregelung.
Nun gibt es leider zwei „Klötze“ an den Beinen der Kirche, die sie behindern, ihrer Aufgabe ganz im Sinne des Herrn nachzukommen.
Krätzl spricht von „Behinderung im Sprung“, dem Geist des Zweiten Vatikanums zu folgen.
1. Tradition
Eigentlich ist die Tradition ein großer Vorzug, weil diese eine ununterbrochene Verbindung zu den Aposteln und der Urkirche garantiert.
Dass die Weitergabe der Weihe ihrer Priester, Bischöfe und Diakone durch Hand-Auflegen der jeweiligen Vorgänger im Amt ohne Unterbrechung bis auf die Apostel zurück reicht, ist zwar nicht lückenlos dokumentiert, aber mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen.
Diese Weitergabe der Weihe gehört nicht nur zur Tradition der römisch-katholischen Kirche, sondern auch der meisten christlichen Kirchen.
In diese wunderbare Amtsübergabe hat sich bei der römisch-katholischen Kirche viel Ballast eingeschlichen, den zu beseitigen es Glaube und Mut bedarf. Statt Beseitigung des Ballasts besteht ein krampfhaftes Festhalten desselben mit Schein- Begründungen dafür aus der Tradition.
Warum man Frauen nicht weihen darf oder Priester nicht heiraten dürfen, stößt zunehmend auf Ablehnung des Kirchenvolkes.
Alle Argumente der römisch-katholischen Kirche hinsichtlich ihrer Machtausübung haben ihre Basis im Matthäus-Evangelium, wo zu lesen ist:
Matth. 16, 18,
„Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“
Matth. 16, 19,
„Ich werde dir (Petrus) die Schlüssel des Himmelreiches geben: was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein.“
Ob der Herr mitten in seiner Lehrtätigkeit im Gebiet von Caesarea Philippi das so gesagt hat, könnte bezweifelt werden:
Das Wort „Kirche“ stammt aus dem Althochdeutschen des 8. Jahrhunderts n.Chr.
Das Wort für Kirche war im Urchristentum das Wort „Gemeinde“. Gemeinde oder Gemeinschaft scheint erstmalig in Apostelgeschichte 2, 43-47 auf.
Mit Matth. 16, 18-19 lässt sich vieles erklären, was die eingefahrenen und von vielen lieb gewonnenen Machtstrukturen der römisch-katholischen Kirche scheinbar begründet und zementiert.
Daran zu rütteln, kann sogar dem unfehlbaren Papst gefährlich werden, wenn die Keule der Häresie-Drohung geschwungen wird und eine Kirchenspaltung droht.
So wird mit Vorsicht zu agieren sein, um Gefahren zu minimieren. Das bedeutet aber auch, dass vom Kirchenvolk Geduld und Verständnis gefordert werden und dass das Ziel nie aus den Augen verloren wird.
Zusammenfassung der „Tradition“
Für die Ausübung Aufgabe der Kirche ist die Tradition eine wesentliche Voraussetzung.
1.) Die Spendung der Sakramente lässt sich nur begründen mit der Beauftragung durch Jesus Christus und, dass die Ermächtigung zur Erfüllung dieses Auftrags von Beginn an dem Nachfolger weitergereicht wurde.
Von Anfang an war
• die Taufe das Sakrament für die Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft,
• die Firmung für die Stärkung der Christen im Glauben,
• die Eucharistie (Leib und Blut des Herrn) für die unmittelbare Bindung an Christus und
• die Vergebung für Verfehlungen im Leben jedes einzelnen Christen notwendig.
Darüber hinaus galten
• Krankensalbung,
• Eheschließung und
• Priesterweihe als weitere Sakramente.
2.) Die Weitergabe der Lehre
• durch mündliche Mitteilungen (Predigt)
• durch schriftliche Mitteilungen (Briefe)
• durch Aufzeichnung der Begebenheiten im Wirken Christi und seiner Lehre (Evangelien und Apostelgeschichte).
Dabei wurde von Anfang an auf die Qualität des Weitergegebenen im Sinne des Zusammenhanges mit dem Wirken des Herrn geachtet. Besonders wurde bei den Evangelien ein strenger Maßstab an Korrektheit und Richtigkeit des Mitgeteilten angelegt.
3.) Die Überprüfung des Glaubensinhaltes und der größtmöglichen Übereinstimmung des Geglaubten
Änderungsempfehlungen:
I. Dass für die Durchführung und Durchsetzung dieser Aufgaben Machtentfaltung, Strafdrohung und Bestrafung der Andersdenkenden notwendig war und das Glaubensverständnis so minutiös genau festgelegt wurde (siehe die Aufzeichnung jedes Beschlusses im „Denzinger“), muss als Irrweg bezeichnet werden.
II. Die Abkehr vom bisherigen Verhalten und die Rückkehr bei der Durchführung der Aufgaben zu den Vorgaben des Herrn wäre dringend notwendig für das weitere Bestehen der Kirche.
2. Die unauflösliche Bindung an frühere Konzils-Beschlüsse
Es existiert kein Protokoll, das definiert, wann und wodurch die Hölle die Kirche überwinden könnte (siehe Matth 16, 18), wie stark und inwiefern eine Differenz der Lehrmeinung überhaupt eine Gefahr darstellt, ob nicht Arius oder Nestorius zu Un-Recht aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen wurden, darf gefragt werden.
Zweifellos gibt es Glaubensgrundsätze, die für das Christentum unumstößlich sind.
Gott und Christus in seine Erlöserfunktion sind solche.
Inwieweit der Dreifaltigkeits-Glaube in der von der Kirche gelehrten Version oder die Bezeichnung Muttergottes dazu gehören, darf bezweifelt werden.
Ob die Kirche, die durch einen großartigen Schachzug des Teufels zur Staatsreligion geworden ist und dadurch zu Macht, Ansehen und Reichtum gelangte, sich nicht schon überwältigen hat lassen, darf gefragt werden. Oder ob das un-überwältigbare Christentum nicht nur in Gestalt vieler, die Botschaft des Herrn (siehe Abschiedsreden) ernstnehmender Gemeinschaft der Heiligen (so nennt sie das Glaubensgebet) gelebt wird, darf ebenfalls gefragt werden.
Also Geduld, aber keine Angst! Der Geist Gottes weht, wo er will, und wird an seinen Früchten erkennbar.
Allerdings wird es einem Angst, wenn man die Früchte einer das absolut Richtige glaubende, alle Gewalt innehabende Kirche betrachtet: Bann, Verfolgung, Krieg, Zwangstaufe, Spaltung, Hexenwahn, Verbrennung, Sprachlosigkeit gegenüber und abmauernde Trennung von der Aufklärung (Antimodernisten-Eid), Zementierung der Lehrgewalt des Papstes und damit Zementierung der Kirchen-Spaltung.
Zusammenfassung und Empfehlungen
1.) Ja zur Kirche:Ja zur Tradition der Kirche,
- Ja zu Sakramenten,
- Ja zu Glaubensempfehlungen,
- Ja zu Friede, Demut und Liebe,
- Ja zu Diskussion und noch besser zu Diskurs,
- Ja zu den vielen, ihren Brüdern und Schwestern in Liebe dienenden Priestern und Laien,
- Ja zu allen Menschen ohne Unterschied und allen Religionen, die sich ehrlich um das Gute bemühen.
2.) So vieles hat die Kirche zu bieten, das für die Menschen von heute bitter notwendig wäre. Dazu ist Glaubwürdigkeit erforderlich.
3.) Die Kirche soll aufhören, ihre Glaubwürdigkeit durch ihr Verhalten systematisch zu untergraben.
4.) Die Kirche soll ihrer ureigensten Aufgabe wieder voll nachkommen.
5.) Die Kirche soll sich den Vorgaben des Herrn entsprechend verhalten.
6.) Die Christenheit wünscht ein Leben in Einheit der Vielfalt und gegenseitigen Achtung und nicht eine Uniformität, wo einer die Wahrheit zu besitzen vorgibt und sagt, wo’s langgeht.
7.) Die Spaltung der Christenheit besteht nur künstlich und nicht wesentlich. Sie ist ein Ärgernis, das viele Christen von sich aus schon beseitigt haben in gegenseitiger Achtung, Betonung des Gemeinsamen und Abschütteln des für das Seelenheil unnötigen Ballastes, und das auch höheren Ortes schnellstens beseitigt gehört.
8.) Die Verwaltung der Kirche sollte entschlackt werden und Subsidiarität zu ihrem Prinzip machen.
9.) Die römische Kurie sollte aufhören, sich dauernd in die Belange der Diözesen einzumischen.
10.) Korrekturen sollten zunächst mit Vorschlägen in Gesprächen erreicht werden.
11.) Erst wenn durch Gespräche keine Einigung zu erzielen ist, bedarf es zur notwendigen Korrektur des Beschlusses einer (Bischofs)-Konferenz.
12.) Das Verbot der Frauen-Priesterweihe und der Eheschließung für Priester sollte rasch beseitigt oder zumindest außer Kraft gesetzt werden.
13.) Glaube und Wissenschaft sollten sauber getrennt werden. Ein Lehrverbot aus Glaubensgründen darf es nicht mehr geben.
14.) Gegenüber geschiedenen Wiederverheirateten sollte das Verbot des Sakramente-Empfanges raschest aufgehoben werden.
15.) Der Beichtritus sollte rasch reformiert werden im Sinne der Vergebung (Siehe W. Kapral, Gedanken zur Gerechtigkeit Gottes und der Welt)
16.) Das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes sollte (schon wegen der Einheitsgespräche) zurückgenommen oder zumindest ruhend gestellt werden.
17.) Die Sammlung aller Vorschriften und Entscheidungen der Kirche, der „Denzinger“, gehört durchforstet und dezimiert.
18.) Die Kirche sollte sich rasch ändern, damit nicht kostbare Zeit zur Erlangung der vollen Funktionsfähigkeit für ihre Aufgaben verloren geht, es sie wieder gibt, diese Kirche und sie es wieder wert ist, geliebt zu werden und ihr zu dienen.
Walter Kapral, Juni 2023
