Die Begründung der Lehren und Dogmen von Konzilien gründet sich meiner Meinung nach vor allem auf Matthäus16,18: „Ich aber sage dir du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“.
Diese Bibelstelle wurde etwa um das Jahr 100 geschrieben. Die Kirche war zu dieser Zeit schon etabliert und Matthäus könnte sie, um die Kirche zu stärken, dem Herrn in den Mund gelegt haben.
Ich habe diesbezüglich mehrfach nachgefragt, aber keine Antwort erhalten.
So wende ich mich jetzt an die Künstliche Intelligenz
Frage 1:
Auf welche Bibelstelle gründet sich die Unfehlbarkeit von Konzilsaussagen und Dogmen?
„Die Lehre von der Unfehlbarkeit der Kirche, insbesondere in Bezug auf die Unfehlbarkeit von Konzilsaussagen und Dogmen, basiert auf mehreren Bibelstellen, die zusammen eine theologische Grundlage bilden. Hier sind einige der zentralen Stellen:
- Matthäus 16,18-19:
„Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Hades sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.“
Diese Stelle wird oft als Grundlage für die besondere Rolle des Papstes und die Autorität der Kirche verstanden.
- Matthäus 18,18:
„Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein.“
Dies wird oft als Bestätigung der Autorität der Kirche und ihrer Führer interpretiert.
- Johannes 14,16-17:
„Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, dass er bei euch bleibe in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann; denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr aber kennt ihn; denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“
Diese Stelle wird als Hinweis darauf verstanden, dass der Heilige Geist die Kirche in der Wahrheit führt und sie vor Irrtümern bewahrt.
- Johannes 16,13:
„Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in alle Wahrheit leiten.“
Auch dies wird als Hinweis auf die Führung und Bewahrung der Kirche durch den Heiligen Geist gesehen.
- Timotheus 3,15:
„Damit du aber weißt, wie man sich verhalten soll im Hause Gottes, das da ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit.“
Diese Stelle unterstreicht die Rolle der Kirche als „Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit“.
Die Unfehlbarkeit von Dogmen und Konzilsaussagen wird also auf die Idee gestützt, dass die Kirche unter der Führung des Heiligen Geistes in der Lage ist, die Wahrheit ohne Irrtum zu lehren. Diese biblischen Grundlagen werden durch die Tradition und die Lehren der Kirchenväter und Kirchenkonzile weiter ausgelegt und ergänzt.
Frage 2:
Diese Bibelstellen sind meines Wissens etwa in den Jahren um 100 n.Chr. verfasst worden, also zu einer Zeit, in der die Kirche schon etabliert war und sind eher zweckgebunden als reale Worte des Herrn. Stimmen Sie dem zu?
„Die Frage, ob die Bibelstellen, die die Unfehlbarkeit der Kirche untermauern, wirklich die wörtlichen Aussagen Jesu darstellen oder später von der frühen Kirche zweckgebunden formuliert wurden, ist ein Thema intensiver historischer und theologischer Debatten. Es gibt verschiedene Perspektiven:
- Historisch-kritische Perspektive: Diese Methode der Bibelwissenschaft analysiert biblische Texte im Kontext ihrer Entstehung und Entwicklung. Einige Historiker und Bibelwissenschaftler argumentieren, dass bestimmte Aussagen, die Jesus zugeschrieben werden, möglicherweise nachträglich von der frühen Kirche hinzugefügt oder verändert wurden, um ihre Autorität zu stärken und ihre Lehren zu legitimieren. Diese Ansicht betont, dass die Evangelien erst Jahrzehnte nach Jesu Tod geschrieben wurden und dass die frühe Kirche bereits strukturelle Entwicklungen durchgemacht hatte.
- Traditionelle theologische Perspektive: Die traditionelle theologische Perspektive der meisten christlichen Konfessionen, insbesondere der katholischen Kirche, sieht die Evangelien als inspirierte Schriften an, die die wahren Worte und Taten Jesu wiedergeben. Diese Sichtweise geht davon aus, dass die von Jesus gegebenen Vollmachten, wie in den genannten Bibelstellen beschrieben, authentisch sind und eine göttliche Grundlage für die Autorität und Unfehlbarkeit der Kirche darstellen.
- Synoptische Evangelien und die Q-Quelle: Die synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus und Lukas) und die hypothetische Q-Quelle (eine angenommene schriftliche Sammlung von Jesu Sprüchen) sind wichtige Themen in der historischen Jesus-Forschung. Die Existenz einer gemeinsamen Quelle für die Evangelien deutet darauf hin, dass es frühe, mündliche oder schriftliche Überlieferungen von Jesu Worten und Taten gab, die von den Evangelisten genutzt wurden. Diese Überlieferungen könnten sowohl authentische Aussagen Jesu als auch theologische Interpretationen der frühen Kirche enthalten.
- Textuelle und archäologische Beweise: Archäologische Funde und textuelle Analysen unterstützen teilweise die Authentizität bestimmter Teile der Evangelien, aber sie bieten auch Hinweise darauf, dass redaktionelle Überarbeitungen stattgefunden haben. Es ist daher plausibel, dass einige Elemente der Evangelien sowohl echte Erinnerungen an Jesus als auch spätere Ergänzungen der frühen christlichen Gemeinschaften widerspiegeln.
Insgesamt lässt sich sagen, dass es keine einheitliche Meinung zu diesem Thema gibt. Die Frage der Authentizität und Zweckgebundenheit der biblischen Texte bleibt eine zentrale Herausforderung in der Bibelwissenschaft und Theologie. Jede Perspektive bringt wertvolle Einsichten, aber auch ihre eigenen Herausforderungen und Unsicherheiten mit sich.
Frage 3:
Was ist die Meinung der Kirchenväter?
„Die Kirchenväter, die maßgeblichen Theologen und Schriftsteller der frühen Kirche, hatten unterschiedliche Ansichten zur Autorität und Unfehlbarkeit der Kirche. Ihre Schriften und Lehren bildeten jedoch eine Grundlage für die spätere Entwicklung der Doktrin der Unfehlbarkeit. Hier sind einige wichtige Punkte aus den Schriften und Meinungen der Kirchenväter:
- Ignatius von Antiochien (ca. 35-107 n. Chr.): Ignatius betonte die Bedeutung der Einheit mit dem Bischof und sah den Bischof als zentralen Hüter der Glaubenslehre. In seinem Brief an die Smyrnäer schrieb er:
„Wo der Bischof erscheint, dort soll die Gemeinde sein, so wie wo Jesus Christus ist, die katholische Kirche ist.“
Dies deutet auf die Bedeutung der kirchlichen Autorität und ihre Rolle bei der Bewahrung der Wahrheit hin.
- Irenäus von Lyon (ca. 130-202 n. Chr.): Irenäus ist bekannt für sein Werk „Adversus Haereses“ (Gegen die Häresien), in dem er die apostolische Tradition und die Kontinuität der Lehre betont. Er argumentierte, dass die wahre Lehre durch die Nachfolge der Bischöfe von den Aposteln weitergegeben wurde:
„Es ist daher offenbar, dass wir auf diejenigen achten müssen, die die Überlieferung der Apostel haben, und dass wir die Wahrheit von der Kirche empfangen müssen.“
- Cyprian von Karthago (ca. 200-258 n. Chr.): Cyprian betonte die Einheit der Kirche und die Autorität des Bischofs:
„Es gibt nur einen Gott und Christus und eine Kirche und einen Stuhl, gegründet von der Stimme des Herrn auf Petrus.“
Er sah den Bischof von Rom (den Papst) als zentrale Figur in der Bewahrung der kirchlichen Einheit und Wahrheit.
- Augustinus von Hippo (354-430 n. Chr.): Augustinus betonte die Rolle der Kirche als Hüterin der Wahrheit und sah die kirchliche Autorität als notwendig für die Interpretation der Schrift:
„Ich würde dem Evangelium nicht glauben, wenn mich nicht die Autorität der katholischen Kirche dazu bewegen würde.“
Augustinus glaubte, dass die Kirche durch den Heiligen Geist geführt wird und daher vor grundlegenden Irrtümern geschützt ist.
- Athanasius von Alexandria (ca. 296-373 n. Chr.): Athanasius verteidigte die orthodoxe christliche Lehre gegen Arianismus und betonte die Rolle der Konzilien bei der Festlegung der Lehre:
„Denn die Glaubensregel der katholischen Kirche ist, dass die Konzilien die Autorität haben, die wahre Lehre festzulegen.“
Die Lehren und Schriften der Kirchenväter bildeten eine wichtige Grundlage für die spätere Entwicklung der Doktrin der Unfehlbarkeit, die im Ersten Vatikanischen Konzil (1869-1870) dogmatisch definiert wurde. Die Kirchenväter betonten die Kontinuität der apostolischen Tradition, die Rolle des Bischofs und der Kirche als Hüterin der Wahrheit und die Bedeutung der kirchlichen Einheit. Diese Prinzipien wurden schließlich in die formelle Lehre der Unfehlbarkeit der Kirche integriert.
Betrachtung:
No, das war doch recht aufschlussreich.
Ich möchte voranstellen, dass der Christliche Glaube und die Kirche zu den wesentlichen Grundlagen meiner Weltanschauung zählen. Weil sie mir so wichtig sind, muss ich sie rational hinterfragen.
Wie man sieht, steht die Begründung der Unfehlbarkeit der Konzilien und Dogmen keineswegs auf starken Füßen.
Ein Dogma oder eine synodale Erklärung anzufechten ist allerdings ein gewagter Weg, weil Grundfesten des Glaubens erschüttert werden könnten.
Stützen des Glaubens sind Tradition und Kontinuität.
Ein Beispiel:
Das Unfehlbarkeits-Dogma des 1. Vatikankonzils halte ich für fragwürdig, weil es die Ökumene-Bewegung schädigt und einem Menschen, dem Papst eine unnötige Bürde aufhalst.
Dagegen opponieren ist allerdings nur möglich, wenn man die Unfehlbarkeit dieses (und anderer) Konzilien in Zweifel zieht.
Das Glaubensgut wurde ohne Unterbrechung von Generation zu Generation weitergereicht.
Der Mensch besitzt Verstand und Vernunft, um zu überprüfen, ob das, was in einer Religion inhaltlich angeboten wird, glaubwürdig ist. Auch das Glaubensgut muss von jeder Generation hinsichtlich seiner Axiome (Konsistenz) und daraus gezogenen Schlüssen (Kohärenz) überprüft und neu gewonnen werden. Hier helfen keine Feststellungen, sondern nur Argumente, die in ihrer Gesamtheit keinen Widerspruch enthalten dürfen. Erst danach beginnt der Glaube.
Sein Inhalt bietet dem nach seinem Lebens-Sinn und -Ziel Suchenden auf seinem Weg eine Grundlage und Hilfe. Erst dann, wenn alle Axiome und Argumente hermeneutisch zusammenpassen, kann sich der Suchende dem Glauben nähern und mit Gottes Hilfe und Führung rechnen.
Der Verstand beurteilt die Glaubwürdigkeit eines Glaubensinhaltes. Die Vernunft entscheidet sich, gestützt von Verstand, Gewissen und Wert-Gefühl, für oder gegen die Annahme eines Glaubens.
In meinen Aufsätzen versuche ich rationale Möglichkeiten einer vernünftigen Begründung unseres Glaubens anzubieten, ohne ihre Richtigkeit zu beanspruchen.
Als Beispiel schauen wir uns das Konzil zu Ephesus im Jahre 433 an:
In ihm wurde die Lehre des Bischofs von Konstantinopel, Nestorius, verworfen. Nestorius hat die Heilige Maria als die Mutter des Menschen Jesus gesehen, aber nicht als Mutter seiner Gottheit.
Nun muss man sagen, dass die Bezeichnung Muttergottes eigentlich eine Contradictio in se ist, denn der Gottesbegriff schließt den Begriff der Mutterschaft aus. Beim Gebet an die Muttergottes denken wir trotzdem überhaupt nicht mehr darüber nach, was diese Anrede eigentlich bedeutet. Die Ansicht des Nestorius ist durchaus vernünftig und sein Ausschluss aus der Kirche ungerechtfertigt.
Was soll man dazu sagen?
Wir sind in einem argen Dilemma, denn der derzeitige Zustand der Kirche verbietet jede Diskussion, solange eine Werthierarchie des Glaubensgutes nicht formuliert ist. Ich selbst habe das Dilemma für mich so gelöst, dass von mir die Unfehlbarkeit des Papstes als „Vereinsstatut“ anerkannt wird.
Es gibt zweifellos eine Hierarchie der Dogmen.
Die heilsnotwendigen Dogmen (die für die Heilserlangung nötig sind) sind ohnehin klar und werden nicht angezweifelt. Der Glaube an Gott, an Jesus Christus, Gottes Sohn, der der Welt das Heil wieder ermöglicht hat. (Das Heil bedeutet für jeden gläubigen Christen, dass er nach dem Ende des irdischen Lebens Aufnahme und Leben bei Gott, dem Vater findet.)
Aber dass man im Eucharistieverständnis uneins ist, ist doch wirklich kein Hindernis für die Wieder-Vereinigung der Christenheit. Um diese wird immer wieder gebetet, was wohl voraussetzt, dass nicht gleichzeitig Hindernisse errichtet werden. Die Eucharistie wirklich zu verstehen, ist sowieso unmöglich.
Christen, die an Gott und Jesus Christus glauben, werden wohl kein ganz falsches Eucharistie-Verständnis haben.
Ich jedenfalls bin zu der festen Glaubensüberzeugung gelangt, dass ich bei der Heiligen Kommunion den Leib des Herrn empfange, wie er das am Abend vor seinem Leiden den Aposteln anvertraut hat.
Diese Ausführungen sind keine Lösung der Probleme aber ein Anstoß nachzudenken.
Eine Lösung wäre, alle Dogmen auf ihre Heilsnotwendigkeit zu überprüfen. Die heilsnotwendigen wären dann unfehlbares Glaubensgut, die anderen können als weitere Möglichkeiten des christlichen Glaubensinhaltes angeboten werden.
Ich glaube, dass sich daraus die Möglichkeit eines echten Diskurses (keiner Diskussion, die nur eine Besprechung des eigenen Standpunktes ist, sondern Diskurs, der Anliegen und Meinung des Partners als gleichwertig gelten lässt, um so gemeinsam der Wahrheit näher zu kommen) und einer Vereinigung der Christenheit ergeben könnte.
Walter Kapral, 29. Juli 2024
