Das Wunder der Auferstehung

 Inhaltsangabe

  1. Einleitung
  2. Bemerkung zu den Auferstehungsberichten
  3. Auferstehungsberichte in den Evangelien
  4. Auferstehungsberichte in der Apostelgeschichte
  5. Berichte über Begegnungen mit dem Auferstandenen (Briefe)
  6. Beispiele für die Verwendung der Tatsache der Auferstehung des Herrn zu weiteren theologischen Erläuterungen
  7. Diskussion

 

1.) Einleitung

Die Auferstehung Christi am dritten Tag nach seinem gewaltsamen Tod ist Zentrum und Grund des christlichen Glaubens.

Paulus sagt im 1. Korintherbrief 15,13-14:

Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.

Ich habe den Eindruck, dass gerade die Auferstehung des Herrn entsprechend unseren heutigen Anforderungen nicht gut dokumentiert ist. Es gibt gewisse Ungenauigkeiten und Widersprüche.

Ich habe mir deshalb zur Aufgabe gemacht, wesentliche Auferstehungsberichte der Bibel zu durchforsten und sie auf Glaubwürdigkeit für die Menschen unserer Zeit zu durchleuchten.

Als Beispiel für Widerspruch seien Berichte von Marcus und Lukas genannt:

In Markus 16,7 werden die Frauen, die frühmorgens zum Grab gegangen sind, beauftragt: „nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem dem Petrus: er (Christus) geht euch voraus nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.“

Hingegen berichtet Lukas (Luk 24, 13-35), dass Jesus schon am späten Nachmittag des Auferstehungstages den Emmaus-Jüngern und am Abend den elf Aposteln und anderen Jüngern erschienen ist (Luk 24, 36-53).

Durch solche, an sich fast belanglose Abweichungen, bekommt man doch Zweifel an der Stringenz der Berichterstattung.

Im Gegensatz dazu gibt es auch Berichte über Wunder mit so klarer Darstellung des Geschehens, dass an der Glaubwürdigkeit des Berichterstatters nicht zu zweifeln ist. (Erweckung des Lazarus Joh 11, 17-44).

Trotz Integrität und Glaubwürdigkeit des Berichterstatters ist es doch legitim, den Wahrheitsgehalt von Berichten, besonders von Wunderberichten, zu bezweifeln.

Die Glaubwürdigkeit der biblischen Wunderberichte lehnt zum Beispiel Rudolf Bultmann mit der Forderung nach „Entmythologisierung“ der Heiligen Schrift ab. Hinsichtlich der Auferstehung meint er, dass Jesus in das Kerygma, also in die Verkündigungsbotschaft hinein, auferstanden sei.

(Rudolf Karl Bultmann, geboren 20.August 1884 in Wiefelstedel, gestorben am 30. Juli 1976 in Marburg, war ein deutscher evangelischer Theologe und Professor für Neues Testament)

Die „Entmythologisierung“ wurde von Bultmann 1941 in dem Aufsatz „Neues Testament und Mythologie“ vorgeschlagen. (https//bibelwissenschaft de >wibilex> neues-testament)

Bultmann macht mit seiner Meinung, dass Christus nur in die Verkündigung hinein auferstanden sei, den Christusglauben sinnlos (Siehe Paulus 1 Korintherbrief 15, 13-14)

Wundererzählungen sind, glaube ich, zunächst in das Evangelium aufgenommen worden, um die Glaubwürdigkeit der biblischen Berichte zu untermauern. Seit der Aufklärung hinterfragen wir die Glaubwürdigkeit solcher Berichte. Dadurch sind manche Zweifel entstanden.

Heute kommen wir nicht mehr durch Wunder-Berichte zum Glauben an Gott und Jesus Christus, sondern eher durch den Glauben an Jesus Christus zur Akzeptanz der Christus-Zeichen, die wir Wunder nennen.

Zum Begriff des Wunders darf ich Folgendes sagen: Die Definition des „Wunders“ als temporäre Aufhebung von Naturgesetzen durch den Schöpfer*) der dadurch seine Allmacht kundtut, halte ich gelinde gesagt für falsch. Es ist Gottes Fügung von Ereignisabläufen, die uns als wunderbar erscheinen.

*) „Die Behauptung, Wunder seien unmöglich, beruht auf der Definition eines Wunders als einer „Verletzung der Naturgesetze“ („violation of the laws of nature“), welche einige dazu führte zu glauben, Wunder seien unmöglich, und andere dazu, Wunder seien Ausnahmen der Naturgesetze, und sie seien die einzigen Ausnahmen“. (http://sammelpunkt.philo.at>wachter _2016-wunder)

 

2.) Bemerkungen zu den Auferstehungsberichten

Die Berichte über die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus haben verschiedenen Charakter:

  1. Augenzeugenberichte von der Begegnung mit dem Auferstandenen
  2. Augenzeugenberichte vom leeren Grab
  3. Berichte über die plötzliche Erkenntnis, dass Christus auferstanden ist, in der literarischen Form der Mitteilungen durch Engel
  4. Berichte über Begegnungen mit dem Auferstandenen (siehe 1 Korintherbrief 15, 4 – 8)
  5. Verwendung der Auferstehung des Herrn als Tatsache für weitere theologische Erläuterungen

Entsprechend zu dieser Einteilung soll nun versucht werden, die Auferstehungsberichte der vier Evangelien zu diskutieren, ihren Inhalt auf Konsistenz und Kohärenz zu überprüfen und ihre Bedeutung in der Glaubensverkündigung zu klassifizieren.

 

3.) Auferstehungsberichte in den Evangelien

 Markus Bericht

Es ist das älteste Evangelium. Matthäus und Lukas haben seinen Inhalt zusammen mit der Quelle „Q“ teilweise verwendet. Es hat auch einen zweiten Schluss angefügt bekommen, der den ersten Auferstehungsbericht ergänzen soll.

Ich beginne mit der Grablegung des Herrn, weil dieselbe schon zu seiner Auferstehung gehört.
(Markus 15, 4 – 16,8)

Josef von Arimatäa begrub Jesus in einem nahe der Hinrichtungsstätte gelegenen Felsengrab. Zwei Frauen aus der Begleitung des Herrn waren dabei, Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Josef. Sie merkten sich die Stelle.

Am Tag nach dem Sabbat gingen diese beiden Frauen und mit einer dritten Frau namens Salome ganz zeitlich in der Frühe zum Grab, um die Salbung des Leichnams des Herrn zu vervollständigen. Da Josef von Arimathäa den Eingang zum Grab mit einem sehr großen Stein verschlossen hat, fragten sie sich, ob sie selbst diesen Stein werden wegwälzen können oder ob sie Hilfe finden.

Hier beginnt nun ein Augenzeugenbericht, dass der Leichnam Jesus nicht mehr im Grab war.

Nach Lukas 24,6 kannten die Frauen die Vorhersage des Herrn, dass er am dritten Tage auferstehen werde. Sie erkannten, dass dieses Wissen nun Realität geworden und dass der Herr auferstanden ist. Diese Erkenntnis traf sie plötzlich und völlig unerwartet bis in das Innerste ihres Seins. Sie sahen sich plötzlich dem Handeln des allmächtigen Gottes gegenübergestellt, das in ihnen Angst und Schrecken auslöste. Sie waren zunächst nicht fähig, über dieses Widerfahrnis zu berichten.

Hier endet das zunächst der Auferstehungsbericht des Markus, später als erster Markus-Schluss bezeichnet.

Das geschilderte Entsetzen der Frauen spricht für den Realitätsgehalt dieses wuchtigen Berichtes: der Herr war wirklich auferstanden. Markus hatte dazu weiter nichts zu sagen.

Erste Kritik am Markus-Bericht

Es ist möglich, dass der Gehalt des ersten Markus-Schlusses nicht von allen gleich erkannt wurde. So fügte man eine Engelserscheinung in den Markustext hinzu, der die Frauen über den Sachverhalt aufklärte und sie beauftragte, Petrus und die anderen Jünger darüber zu informieren mit dem Hinweis, dass Jesus ihnen nach Galiläa vorausgehe und sie ihn dort sehen werden.

Die Überzeugungskraft des ersten Markus-Schlusses wird im zweiten bei weitem nicht erreicht, ja diese wird durch die Engelserscheinung sogar gedämpft.

Meiner Meinung nach hätte der Verbesserungsversuch unterbleiben sollen.

Matthäus-Bericht

Er enthält sowohl Augenzeugenberichte, dass das Grab leer war, als auch Augenzeugenberichte über die direkte Begegnung mit dem auferstandenen Herrn.

Auch hier beginnt die Auferstehung mit der Grablegung des Herrn (Mit 27, 57-61). Jesus wird von Josef von Arimathäa in ein Felsengrab gelegt, Diese wurde von Maria Magdalena und einer anderen Maria beobachtet.

In Mt 27,62-66 wird von der Bewachung und Versiegelung des Grabes erzählt.

Auch bei Matthäus kamen Maria Magdalene und eine andere Maria in den Morgenstunden des dritten Tages (ersten Wochentages) zum Grab. Es entstand ein Erdbeben, ein Engel wälzte den Stein weg, die Wächter zitterten vor Angst und fielen zu Boden. Der Engel beruhigte die Frauen und zeigte ihnen die Stelle, wo der Leichnam gelegen ist, Auch sie bekommen den Auftrag, den Jüngern zu berichten und ihnen zu sagen, dass sie Jesus in Galiläa treffen werden. Diesmal hatten die Frauen weniger Furcht und mehr Freude.

In Matthäus 28, 9-10 begegnen die Frauen Jesus selbst, der den Galiläa-Auftrag an die Jünger wiederholt.

Um den ganzen Bericht wahrscheinlich erscheinen zu lassen wird in Mt 28, 11-15 begründet, warum niemand von dem geschilderten Auferstehungs-Ereignis erfahren hat. (Bestechung der Wächter)

Im Schlusskapitel (Mt 28, 16-20) treffen die Jünger in Galiläa auf den Herrn selbst, der sie mit der Verkündigung an alle Menschen betraut.

Erste Kritik am Matthäus-Bericht

Der Glaube an diesen Auferstehungsberichtes hat vielleicht anfangs bestanden.

Er ist zwar chronologisch kohärent, aber sonst enthält er nur Erzählungen über wunderbares Geschehen bei der Auferstehung, über korrupte Wächter, betrügerische Hohepriester, leichtgläubige Frauen und freundliche Begegnungen mit Jesus.

Dieses Evangelium hat heute keine Verkündigungskraft mehr. Es wirkt zumindest heute, unglaubwürdig. Niemand könnte heutzutage, wäre der Auferstehungsbericht des Matthäus der einzige, zum Glauben an die Auferstehung Christi kommen.

Lukas-Bericht

Auch hier möchte ich mit der Grablegung beginnen (Luk 23,50-56): Wie in den vorhergehenden Erzählungen ist es Josef von Arimathäa, der den Heiland in ein Felsengrab legt. Wieder sind Frauen dabei anwesend.

Wieder (Luk 24,1-12) kommen die Frauen, es sind dies Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Josef und eine dritte Frau, die hier Johanna genannt wird, in aller Frühe des dritten Tages zum Grab. Der Stein ist weggewälzt. Sie finden den Leichnam des Herrn nicht. Wieder sind es Engel, denen die Gedanken der Frauen in den Mund gelegt werden: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten“. Die Frauen erinnern sich daran, was Jesus über seinen Tod und seine Auferstehung gesagt hat.

Sie kehrten in die Stadt zurück und berichteten alles den elf Aposteln und den anderen Jüngern. Diese hielten den Bericht der Frauen für „Geschwätz“ (Typisch männlich!) Nur Petrus eilte zum Grab und fand es so, wie die Frauen gesagt hatten.

Am späten Nachmittag des gleichen Tages gingen zwei Jünger, einer davon hieß Kleophas, von Jerusalem nach Emmaus (Luk 24, 13- 35). Sie waren offensichtlich über die Ereignisse informiert. Jesus gesellte sich zu ihnen, ohne dass sie ihn zunächst erkannten. Erst beim Nachtmahl erkannten sie ihn, wie er das Brot brach. Sie eilten nach Jerusalem zurück und suchten die Jünger auf, erzählten ihr Erlebnis und erfuhren, dass Jesus auch dem Petrus erschienen ist.

Bemerkung: Dass sie Jesus nicht gleich erkannten, ist bemerkenswert. Dass es Jesus ist, dem man begegnet, ist also nicht immer sofort erkennbar. Erst bei der Wandlung von Brot in seinen Leib, wissen sie, wer ihr Begleiter ist.

Mittlerweile ist es schon Nacht geworden und Jesus tritt in ihre Mitte (Luk 24, 36-53). Diese Erscheinung, die sie zunächst nicht einordnen konnten, versetzte sie in Angst und Schrecken.

Jesus zeigte seine Hände und Füße und ließ sich angreifen. Da freuten sie sich, aber erst nachdem Jesus Nahrung zu sich genommen hat, kamen sie zur Erkenntnis der Realität dieser Widerfahrnis.

Jesus sprach sehr lange mit ihnen. Zunächst erklärte er ihnen den Sinn des Leidens des Messias und seiner Auferstehung. Sie sind Zeugen dieser Begebenheit. Sie werden das allen Menschen auf der ganzen Welt verkünden, damit deren Sünden vergeben werden. Sie sollen damit warten, bis sie die Kraft dazu vom Vater erhalten.

In Betanien wurden sie Zeugen seiner Himmelfahrt.

Erste Kritik an dem Lukas-Bericht

Man hat sofort den Eindruck, Lukas weiß, wovon er spricht. Dieser Bericht ist zeitlich geordnet und kohärent. Es wird nichts verschwiegen, nichts beschönigt. Lukas berichtet Tatsachen. Damit ist dieser Bericht keine Erzählung, sondern konsistente Mitteilung an die Menschen, die mit ihm konfrontiert werden sollen.

Die Erklärungen in dem Mund von Engeln sind, meiner Meinung nach, eine Wiedergabe des Begreifens und des Verstehens dessen, was den Zeugen dieser Begebenheiten widerfährt.

So wie Lukas es erzählt, kann es wirklich gewesen sein.

Der Johannesbericht

Der Bericht über die Grablegung des Herrn ist bei Johannes gleichen Inhalts wie bei den Anderen Evangelisten (Joh 19, 36-42).

Der Augenzeugen-Bericht über das leere Grab, ist zwar inhaltlich ähnlich, wie bei den anderen Evangelisten, er (Joh 20, 1-10) weicht aber im Detail ab.

Maria Magdalena findet am ersten Wochentag (Auferstehungstag) den Grabstein weggewälzt. Davon setzt sie sofort Petrus in Kenntnis. Petrus und Johannes liefen zum Grab. Obwohl Johannes schneller als Petrus war, wartete er auf Petrus mit dem Betreten des Grabes. Dieser ging als erster in das Grab hinein. Er sah die Binden, in die der Leichnam Jesu gewickelt worden war, das Schweißtuch war zusammengelegt daneben. Dann ging Johannes hinein. Er sah und glaubte.

Maria war auch mitgekommen und weinte. Sie hatte eine ganz kurze Engels-Erscheinung, dann erblickte sie Jesus, erkannte ihn aber erst, nachdem Jesus sie mit ihrem Namen angesprochen hatte.

Maria Magdalena ist demnach die erste Augenzeugin einer Begegnung mit dem Auferstandenen und wird auch als Apostula Apostulorum bezeichnet.

Die Begegnung der Jünger mit dem auferstandenen Herrn, erfolgte, wie bei Lukas, am Abend des Auferstehungstages (Joh 29, 19-23). Jesus beauftragt sie mit Sendung und stärkt sie mit dem Heiligen Geist. Er ermächtigt sie zur Sündenvergebung.

Thomas war anscheinend ein starker Realist und glaubte die Botschaft der anderen nicht. (Joh 20, 24-29). Acht Tage nach der ersten Begegnung mit dem auferstandenen Jesus erschien ihnen Jesus wieder. Er forderte Thomas auf, seine Wundmale zu berühren, um sich von der Realität der Begegnung zu überzeugen. Das überwältigte auch den ungläubigen Thomas. Er sank in die Knie und betete Jesus an. Jesus sagte, dass jene, die glauben, ohne sich überzeugen zu können, selig sind, weil sie auch ohne augenscheinlichen Beweis zum richtigen Glauben gelangt sind.

Johannes schließt sein Evangelium (Joh 20, 30-31) mit der Angabe dessen Zwecks, nämlich dass alle durch den Glauben das Leben haben.

Erste Kritik am Johannesbericht

Es gibt noch einen zweiten Schluss des Johannes-Evangeliums: Offenbar sollte eine Übereinstimmung mit den anderen Evangelien (Markus und Matthäus) hinsichtlich der Ankündigung des Treffens mit Jesus in Galiläa hergestellt werden. So berichtet der zweite Johannes-Schluss von einer Jesuserscheinung am See von Tiberias.

Im Übrigen erscheint mir der Johannes-Bericht stringent, auch wegen seiner Übereinstimmung mit dem Lukas-Bericht.

Die erste Erscheinung des Herrn nach seiner Auferstehung war vor Maria Magdalena.

Zu Lebzeiten Jesu scheint die Beziehung zu Maria Magdalena eine sehr herzliche gewesen zu sein. Wie Maria den tot geglaubten Herrn als Auferstandenen erkennt, ist ganz berührend geschildert. So könnte es gewesen sein.

 

4.) Auferstehungsberichte in der Apostelgeschichte

Apg 1, 3 Ihnen (den Aposteln) hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.

Apg 1,4-9 berichtet über letzte Anweisungen und Belehrungen der Apostel durch Jesus. Der Herr weist sie an bis zur „Taufe“ durch den Heiligen Geist in Jerusalem zu bleiben. Sie werden die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und seine Zeugen sein bis an die Grenzen der Erde. Dann wurde er vor ihren Augen empor gehoben, bis er in einer Wolke verschwand.

In Apg 9, 3-6 wird die letzte Begegnung eines Menschen, nämlich Paulus, mit dem Auferstandenen im Bekehrungserlebnis des Paulus berichtet.

Erste Kritik an Apg 1, 3-9 und Apg 9, 3-6

Vers 3 ist zunächst nur ein Bericht über Begegnungen mit dem Auferstandenen.

Die Verse 4 bis 9 sind Augenzeugenberichte über die letzten Begegnungen des Herrn mit den Aposteln. Lukas ist zweifellos auch für die Apostelgeschichte den Grundlagen für seine Erzählungen gewissenhaft wie bei der Abfassung seines Evangeliums nachgegangen (Luk 1, 3-4) und hat zeitlich geordnet berichtet. Lukas ist auch hier ein glaubwürdiger Berichterstatter.

Über das Bekehrungserlebnis (Apg 9, 3-6) des Paulus berichtet Lukas, der Paulus auf einigen von dessen Reisen begleitet hat, hat mit großer Wahrscheinlich eine persönliche Darstellung von Paulus über dieses Widerfahrnis erhalten. Die Glaubwürdigkeit der beiden Berichterstatter ist zweifellos gegeben. Hier kann höchstens über die Deutung diese Schriftstelle diskutiert werden.

 

5.) Berichte über Begegnungen mit dem Auferstandenen (Briefe):

Paulus (1 Kor. 3-8) wird wegen seiner Genauigkeit wörtlich zitiert:

„Vers 3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe:
Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
Vers 4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
Vers 5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
Vers 6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich: die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
Vers 7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.
Vers 8 Als Letztem erschien er auch mir,….“

Erste Kritik an 1 Kor 3-8
Paulus hat unterschieden, was ihm mitgeteilt worden ist und was er selbst erlebt hat.  Nur der Vers 8 bezieht sich auf sein eigenes Erlebnis. Um die Qualität dessen, was er nicht selbst erlebt hat, zu betonen, sagt er „empfangen“ und nicht „gehört habe“.  Die von Paulus genannten Erscheinungen des Herrn sind bezüglich ihrer Aussagekraft sehr ernst zu nehmen. Nur die Erwähnung von 500 Augenzeugen schwächt heutzutage die Glaubwürdigkeit der Aussage wegen der möglichen   gegenseitigen Beeinflussung der „Beobachter“. (Massenpsychose)

In 1 Korinther 15,20 sagt Paulus: “Nun aber ist Christus von der Toten auferweckt worden….“

Diese Bibelstelle ist zwar ein Beweis für den Glauben des Apostels, aber leider nur eine Behauptung ohne jede Beweiskraft.

 

6.) Beispiele für die Verwendung der Tatsache der Auferstehung des Herrn zu weiteren theologischen Erläuterungen

1 Petrus 3,21 Denn in ihr (es wird von der Taufe gesprochen) wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi.

Apostelgeschichte 26, 22-23 „Doch ich habe Gottes Hilfe erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Klein und Groß und sage nichts, als was die Propheten und Mose gesagt haben, dass es geschehen soll: dass Christus müsse leiden und als Erster auferstehen von den Toten und verkündigen das Licht seinem Volk und den Heiden.

 

7.) Diskussion

In der „ersten Kritik“ der jeweiligen Auferstehungsberichte wurde vor allem die Glaubwürdigkeit aus heutiger Sicht berücksichtigt.

Es ist aber auch eine Gesamtbetrachtung des Auferstehungs-Geschehens und eine Berücksichtigung der Situation, in der die Berichte verfasst wurden, notwendig.

Die Apostel und Jünger, die bei der Gefangennahme des Herrn noch entsetzt geflohen waren, traten kurze Zeit danach mutig vor das Volk und bekannten sich zu dem Christus Jesus.

Die Nachricht, dass der bekannte Prophet Jesus auferstanden ist, muss ja wie eine Bombe in Jerusalem eingeschlagen haben. Er, dessen Hinrichtung am Kreuz vom Hohen Rat der Juden als ein von Gott Verfluchter bezeichnet wurde, ist durch seine Auferstehung für viele als der erwartete Messias legitimiert worden.

Die erste Rede des Petrus hat auf einen Schlag zur Taufe von mehreren Tausend Menschen geführt.

Wie aus dem Boden geschossen sind die ersten christlichen Gemeinden. Sie haben sich nicht konstituiert, sonder in gegenseitiger Liebe den Auftrag Christi erfüllt. Wie so oft bei dem Zusammenschluss von Menschen, hat es auch die ersten Abweichler gegeben. Sehr drastisch wird das in dem Geschehen von Hananias und Saphira geschildert (Apg 5, 1-11). Mich hat die harte Reaktion des Petrus mit der Bestrafung der beiden mit dem Tod immer etwas befremdet. Zweifellos wurde auch in diesem Bericht pädagogisch übertrieben. Die Besitzlosigkeit in liebender Verbundenheit mit allen Angehörigen der Gemeinde wäre rasch untergraben worden und hätte zu Zank und Misstrauen geführt.

Bemerkung: Ich erinnere mich an Rousseau, der gemeint hat, dass die erste Besitzabgrenzung der Grund für alles spätere Schlechte in der gegenseitigen Beziehung der Menschen war.

Die Reaktion des Hohen Rates und Vieler, die in der Botschaft von der Auferstehung des Herrn eine Gefahr für den alten jüdischen Glauben sahen, ließ nicht lange auf sich warten: Verfolgung, Auspeitschungen (Apg 5, 40) und Tötungen (Apg 6,8-15)

Trotzdem verbreitete sich die Botschaft von Christus, dem Auferstandenen, im ganzen Mittelmeer-Raum, der damals die bekannte Welt darstellte, innerhalb eines Menschenalters.

Der erste Korinther-Brief wird mit etwa 50 n.Ch. datiert.

Die Datierung gelang ziemlich genau mit Hilfe des sogenannten Gallio-Steins.

Im biblischen Bericht war Gallio „der Richter der Ungerechten“, vor dem manche Mitglieder der Gemeinde von Korinth ihre Rechts-Streitigkeiten austrugen (1 Kor 6,1)

Junius Gallio Annaeanus war Proconsul der Provinz Archaea in den Jahren 51 und 52 n.Ch. Dies geht aus der Inschrift des oben genannten Gallio-Steins hervor, der in Delphi gefunden worden ist. Gallio war der Bruder Senecas.

Diese Ausbreitung des Christentums war weder durch den römischen Staat noch durch geistig-religiöse Behinderungen (Gnosis) zu stoppen.

Die ersten Aufzeichnungen über das Wirken Christi wurden erst nach kritischer Prüfung in das Neue Testament, die Bibel, aufgenommen. (Es gibt apokryphe „Evangelien“, die nicht zur Veröffentlichung in der Bibel zugelassen worden sind.

Es sollen sogar wegen des Glaubens, dass Christus von Geburt an Gott war, Erzählungen geben, in denen das Kind Jesus spielend aus Sand Vögel formte, die dann davongeflogen sind.

Die Apostel und Jünger waren durch das überwältigende Widerfahrnis des auferstandenen Christus Jesus von Wahrheit ihrer Botschaft überzeugt. Für diese Wahrheit haben viele von ihnen mit ihrem gewaltsamen Tod gebürgt.

Das Neue Testament ist wissenschaftlich als echt belegt. Andere Schriften aus dieser Zeit sind in der Regel lange nicht so gut wie das „Neue Testament“ belegt.

Die Verfasser der Evangelien und der Briefe des Neuen Testaments sind alle ernst zu nehmende Zeugen ihrer Berichte.

Meine erste Kritik vor allem des Matthäus-Evangeliums ist streng und einseitig. Der Inhalt seiner Botschaft beruht sicher auf der Glaubens-Überzeugung des Verfassers. Die Gestaltung seiner Botschaft ist, meiner bescheidenen Meinung nach, durch eine gewisse Neigung des Matthäus zum Fabulieren geprägt worden. Das ändert nichts am theologischen Wahrheitsgehalt seines Berichtes.

Der Inhalt der Evangelien-Berichte darf natürlich auf seine Glaubwürdigkeit untersucht werden. Es gibt, glaube ich, keinen schlüssigen Wahrheits-Beweis dagegen.

Unter Berücksichtigung aller Argumente, ist es intellektuell redlich, den Inhalt der Auferstehungs-Berichte als Teil des Christlichen Glaubens an Gott und Jesus Christus für wahr anzusehen.

 

 Zusammenfassung 

  1. Der christliche Glaube an Gott ist logisch weder beweisbar noch widerlegbar.
  2. Er ist aber eine bedeutende Grundlage neben Kausalität und Hermeneutik für die Bildung eines sinnvollen Weltbildes.
  3. Genau so ist auch, wie ich schon gesagt habe, der Glaube, dass es keinen Gott gibt, eine wesentliche Grundlage für ein Weltbild ohne Gott.
  4. Die Auferstehung Christi ist das Zentrum des christlichen Glaubens.
  5. Daher ist es legitim, die Grundlagen dafür zu hinterfragen.
  6. Darüber hinaus ist aber der Glaube mehr als nur das „Für wahr Halten“ Gottes. Das ist erst eine Meinungsbildung (siehe dort)
  7. Ich hoffe, dass dieser Aufsatz bei der Meinungsbildung hilft.
  8. Glaube ist erst, wenn er das bestimmende Moment für unser ganzes Leben geworden ist. Das bedeutet, dass Glaube unserem Leben Sinn, Halt, Richtung und Zuversicht gibt.

 

 

Walter Kapral, 29. März 2024